Silvester ist schlimmer als Karneval
Silvester ist schlimmer als Karneval: Genauso unerträgliche Party überall, aber mit dem zusätzlichen Nachteil, dass die besoffenen Stimmungskanonen mit Explosivstoffen hantieren dürfen.
Dabei nervt Silvester nicht nur an einem Tag. Oh nein, jedes Jahr der gleiche Mist: Erst wird man allerorten mit Jahresrückblicken und Top-Scheiss-Listen gefoltert, dann geht spätestens eine Woche vorher die Fragerei aus dem sozialen Umfeld los:
„Und, was machst Du an Silvester?“
„Nichts. Ich gucke einen guten Film, verlasse die Wohnung nicht und lese am nächsten Tag im Polizeibericht, was ich verpasst habe.“
Das wird als Antwort natürlich nicht akzeptiert.
Stattdessen wird versucht, den Silvesterverweigerer in den gruppenverordneten Spasszwang einzugliedern. Wenn man nicht gleich mit Menschen, die sich nach einem Reisetag als unaushaltsam verpeilt herausstellen, in eine alternative Schwitzhütte nach Finnland fahren muss, wird im Freundeskreis „gefeiert“.
Der sieht dann meist so aus, dass man sich in irgendeiner, mit IKEA-Sperrmüll vollgemuckelten, Rumpelbude trifft. Dort wird ekeliges, fettiges Essen gekocht („Weil gemeinsam kochen doch sooooo lustig ist) oder einer der Billig-Klassiker gefahren: Fondue. Oder dessen häßliche Schwester: Raclette.
Dann setzt man sich hin, hört sich langweilige Geschichten von doofen Laberköppen an, setzt die Tischdeko mit Kleinstfeuerwerk in Brand oder kippt sich geschmolzenes Blei über die Hose. Dabei werden lautstark große Mengen alkoholischen Irgendwas (Eierpunsch?) weggelötet, bis auch der letzte Stimmungsverweigerer im Partymodus angekommen ist.
Pünktlich um 23.59 beginnt die große Diskussion um die Uhrzeit. Rolf hat da diese 2.000 Euro-Uhr mit integriertem Höhenmesser und Flugabwehrgeschütz, die MUSS doch genau gehen! Auch wenn die Gurke sagt, dass noch 10 Minuten bis Mitternacht ist. Annes iPhone dagegen zeigt an, dass man den Jahreswechsel schon überschritten hat. Uiuiui.
Merke: Auch teure Geräte sind nur so gut wie ihr User. Irgendwer will dann, wie in der guten, alten Zeit, ARD anmachen und die Uhr auf dem Fernseher anglotzen. Dummerweise gibt es in Zeiten von Digital-TV einen unerklärlichen Zeitversatz, merkt der Technikfreak in der Runde an, es könnte also sein dass man 5 Sekunden zu spät anstösst! Ach Du Scheiße, das bringt bestimmt die nächsten zehn Jahre Unglück!
Nach dem Stößchen geht´s für die Männer raus auf die Strasse, dass ein oder andere Körperteil wegsprengen, die Damen der Schöpfung saufen derweil einen Jahresvorrat Prossecco weg.
Gegen 1 Uhr liegen dann alle: Entweder in der Notaufnahme oder im eigenen Erbrochenen.
Der 01. Januar fällt dann komplett aus, wegen Kater in Tateinheit mit Flitzekacke-durch-Eierpunsch. Wenn man nicht gerade über dem Becken hängt, werden die Brandlöcher in den eigenen Klamotten gezählt. Der halbwegs vernünftige Teil der Menschheit schwört an solchen Tagen, nie, NIE wieder Silvester zu feiern. Nur die Raclette-Fans, die verabschieden sich mit „Schön war´s, machen wir dieses Jahr unbedingt wieder, ja?!“
Man sollte ihnen in solchen Momenten auf die Schuhe kotzen.
In diesem Sinne: Gutes Neues.
Und so.




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