Herr Silencer musste Dinge zur Bedeckung des Körpers einkaufen und äussert seinen Unmut darüber in einem etwas wirren und unkomischen Artikel ohne jegliche Pointe, den wirklich niemand lesen sollte. Halbseniles Gejammer in Form eines Blogposts, sozusagen.
Es gibt wenig, dass ich so leidenschaftslos nicht ausstehen kann wie den Einkauf von Klamotten. Darunter fällt auch der Kauf von Schuhen.
Trotzdem kam ich dieser Tage nicht drum herum. Die Strategie „Wenn ich ihn lange genug ignoriere, geht er von alleine weg“ hat im letzten Winter zwar gegen März so leidlich funktioniert, bedeutete aber mindestens drei Monate nasse Füsse und blaue Finger. Ich hatte es, als Bewohner einer urbanen Gegend in der es NIE länger als eine Woche Schnee gab, schlicht nicht eingesehen, mir Winterklamotten zu kaufen.
Nun schneit es heuer, wie wir Österreicher sagen, schon Anfang Dezember, und ich habe keine Lust mehr auf nasse Füsse. Also Winterstiefel.
„Aber jetzt doch nicht mehr“, haucht die Schuhverkäuferin auf die Frage, wo ich wohl warme Schuhe finde. „Die sind alle seit letztem Samstag ausverkauft, da bekommen wir auch nichts mehr rein“. Schlagartig wird mir wieder bewusst, warum ich Klamotten kaufen nicht mag. „Und was machen Sie jetzt? Den Rest des Winters Sandalen verkaufen oder was?“ – verständnisloser hätten ihre Blicke kaum sein können.
Na gut, wenn es im Schuhladen keine Schuhe gibt, dann kaufe ich meine Schuhe halt woanders. Zum Beispiel im Motorradladen. Da gibt es toll warme und wasserdichte Stiefel. Leider aufgrund einer Modeerscheinung komplett Profilfrei und daher unbrauchbar. Nunja. Also weiter in den nächsten Laden.
Schuhläden bedeuten unfassbaren Stress. Was der Mensch nicht alles an Strapazen aushält, wenn es erforderlich ist! Die Schilderung der weiteren Abenteuer und absurden Situationen mit Schuhverkäuferinnen spare ich mir an dieser Stelle. Am Ende hatte ich, entkräftet und fertig mit den Nerven, ein paar gefütterte Lederstiefel in meiner Größe erjagt.
Eine dicke Winterjacke liess sich dagegen sofort fangen. Nach 2 Minuten hatte ich die richtige, an dieser Meinung änderte sich auch nach einer halben Stunde andere Modelle probieren nichts.
Als problematisch stellte sich dann wider erwarten der Hosenkauf heraus. HOSEN KAUFEN. Argh. Das ist wirklich die Höchststrafe, deshalb hatte ich mir vor Ewigkeiten einen Klassiker ausgesucht, der perfekt passt. Seitdem kann ich in einen Laden gehen, eine 501 in 32/32 bestellen und da in 3 Minuten und ohne Anprobe wieder draussen sein. Oder das Ding im Internet bestellen. So ging das laaaange Zeit, das Dutzend Zombie-501 in verschiedenen Stadien des Verfalls ganz hinten im Kleiderschrank spricht da Bände.
Levis 501 in 32/32. So ging das lange. Heute nicht mehr. Heute war wieder Suchen und Anprobieren angesagt. Weil es im ersten Laden keine Levis gab (nach 10 Minuten entnervt aufgeben irgendwelche LEEs oder Wranglers anzuprobieren) und ich im zweiten Laden erstaunt feststellte, dass mir auch eine nagelneue 501 in 32er Weite gerade einfach vom Hintern fällt.
Erschreckend. Anfang 2010 musste ich schonmal eine Ausnahme von der 32/32-Regelung machen und auf Weite 34 wechseln (Peinlich: auch die ging kaum zu). Und jetzt bin ich eine 31. So kann es gehen. Die interessanten Zeiten gerade zehren an der Substanz. Will ich eine 31 sein, wo ich doch immer eine 32 mit Tendenz nach oben war? Hm. 32 ist eine schöne Zahl, 31 ist so… nichtssagend. Na, hilft ja nix.
Trotzdem bin ich enorm stolz auf mich. In 2 Tagen praktisch komplett neu eingekleidet und dabei 5 Klamottengeschäfte überstanden ohne zwischendurch Amok zu laufen. Das muss jetzt aber die nächsten Jahre reichen.




















