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Archiv der Kategorie: Betrachtung

Verboten

Soso, FDP-Chefchen Fipsi Rösler will also keinen Verbotsantrag gegen die NPD stellen. Finde ich im Grundsatz OK, ich bin der Meinung, dass 1. eine Demokratie mit sowas auf anderem Wege fertig wird und 2. Die NPD in dem Moment aufhört zu existieren, in dem die Verfassungsschutzämter der Länder verboten werden und alle V-Leute kein Geld mehr bekommen.

Interessant ist aber Röslers Argumentation: Man wolle keinen Verbotsantrag stellen, weil man “Dummheit nicht verbieten” könne. Aha. Wie bekloppt ist denn der Satz, bitte? Da wird erst ein Schuh draus, wenn man mal tiefer gräbt. Der Rösler, ChrChr, hat nur Angst einen Präzedenzfall zu schaffen. Wenn man nämlich erst einmal anfangen würde dumme Organisationen zu verbieten, wäre die FDP ganz oben auf der Liste.

Dabei braucht er doch gar keine Angst zu haben, der Fipsi. Wie die Meldungen vom Wochenende in Bezug auf Wulff zeigen, kann man sich mit genügend Geld sogar vom Verdacht der Bestechlichkeit und Bestechung freikaufen. Ja, wir haben wirklich das beste Justizsystem, dass man für Geld kaufen kann. Ich gehe dann mal los und stelle ein paar Anträge.

 
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Geschrieben von - 19. März 2013 in Betrachtung

 

Geblockt

Man stelle sich mal vor, ein Parlamentarier der EU bekommt täglich hunderte Mails von EU-Bürgerinnen und Bürgern zu einem bestimmten Thema, und dann plötzlich gar keine mehr. Als er bei der IT nachfragt, woran das liegt, wird ihm erklärt, dass sich andere Abgeordnete über Mails aus dem Volk beschwert haben, und die deshalb jetzt als Spam rausgeblockt werden. So gerade geschehen. Man stelle sich das mal vor: Vom Volk gewählte Abgeordnete lassen die Meinung der Bürger als Spam wegblocken! UN-FASS.BAR!

Hintergrund ist das Gesetzesvorhaben zum Verbot von Pornografie in EU-Medien. Was ja per se schon eine verdammt dämliche Idee ist und in etwa auf einer Stufe mit Prohibition steht. Als Grund dafür muss übrigens “Gleichberechtigung” herhalten. Jaja. Genau. Und wenn die Dominaquote hoch genug ist, ist es wieder erlaubt oder was. Ich meine, srsly, wenn allen ernstes Pornografie im Netz verboten würde, würde es vermutlich einen Aufstand geben.

Aber zurück zum eigentlichen Skandal: Abgeordnete, die den Souverän als Spam blocken? Kann denen bitte jemand nochmal erklären, woher der Begriff Volksvertreter kommt??

[Update] Angeblich ist das kein Gesetzentwurf, sondern nur ein Vorschlag eines freidrehenden und “nicht netzaffinen” Frauenausschusses. Der Vorschlag wurde nicht sofort von Fachpolitikern eingedampft, weil er “nicht wichtig genug” war, dass sich irgend jemand damit ernsthaft beschäftigt. Aha. Bleibt der Mist mit der Mailblockade.

 
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Geschrieben von - 12. März 2013 in Betrachtung

 

Leistungsschutzrecht

Da haben wir es nun, das Leistungsschutzrecht. Heute Morgen mit 293 zu 243 Stimmen beschlossen, die Opposition war geschlossen dagegen. Damit hat die Regierungskoaltiion ein Gesetz geschaffen, das die großen Zeitungsverlage sich von ihr gewünscht haben und das so ziemlich jeder, inkl. Journalisten, ablehnt. Es gibt etliche Untersuchungen und Gutachten, die zu dem Schluss kommen, dass das Gesetz nicht nur unnötog, sondern gar schädlich ist. Auch in seiner jetzigen, bereits stark verwässterne Form. Ursprünglich hätte der Springer Verlag (und die Verlagshäusern in dessen Kielwasser) gerne ein Gesetz gehabt, das ähnlich wie die GEMA Geld von allen einsammelt, die Zeitungsinhalte lesen, weil sie dieses Wissen im Beruf benötigen. Zeitungsinhalte, die die Verlage kostenlos ins Netz stellen.
Klingt absurd, ist es auch.
In der Freizeit Bild-Online angucken = kostenlos, am Arbeitsplatz = kostenpflichtig.

Aber es wurde noch besser. Später behaupteten die Verlage, dass die klassischen Zeitungen immer weniger Absatz finden, weil es im Internet Unternehmen gibt, die journalistische Inhalte kopieren und als ihre eigenen gegen Geld verkaufen. Zuvorderst hatte man sich auf ein Unternehmen eingeschossen, dass nachweislich Geld hat: Google. Google, so die Argumentation, stehle deutschen Qualitätsjournalismus und verteile den kostenlos. Das ist Quatsch, den selbst Google News macht Nachrichten nur auffindbar und leitet die Suchenden auf die Angebote weiter. Wieviel in Google auffindbar sein soll, ob nur die Überschrift, ein Ausriss oder gar nichts, entscheidet jeder selbst, der etwas ins Netz stellt. Wenn die Verlage Angst vor dem “Dieb” Google haben, können sie Google einfach sagen: Nimm uns nicht in Deine Ergebnisliste auf.

Aber das wollten die Verlage nun auch nicht. Was zu einer absurden Situation führt, die ein mittlerweile sehr bekannter und treffender Vergleich greifbarer macht: Wenn Google ein Taxifahrer wäre, der Gäste in einen Puff fährt (analog zu: der Leser zu den Zeitungen bringt), dann ist das Leistungsschutzrecht der Versuch, dem Taxifahrer Geld dafür zu berechnen, dass er Gäste bringt. W.T.F.

Aber es wurde noch besser. Das Leistungsschutzrecht sollte selbst die Verwendung kleinster Textbausteine kostenpflichtig machen. Diese Miniausrisse, sog. “Snippets” dürfen nur nach Lizensierung verwendet werden. Nicht nur von Google, sondern von JEDEM der Text ins Internet stellt, auch von Bloggern.
Das Gesetz, wie es nun beschlossen ist, sieht exakt das vor. Allerdings mit der Ausnahme, das nun doch “kleinste” Textfragmente ungefragt zitiert werden dürfen. Nur, wie LANG diese “kleinsten” Textfragmente sind, das steht da nicht. Das ist einer der Gründe, weshalb es sofort vor den Gerichten landen wird.

Für mich sind hier zwei Dinge schlimm.

1. Zu sehen, wie eine konservative Regierung gegen jeden Widerstand ein Gesetz beschliesst, dass alle anderen geschlossen ablehnen, das schädliche Wirkungen hat und vor dem allerorts gewarnt wird.

2. Zu sehen, wie die etablierten Medien über die Debatte berichtet haben: Entweder gar nicht oder so grob falsch, dass man hier von Manipulation sprechen muss.

Meine Meinung zu den großen Zeitungsverlagen ist eh nicht die beste: In meinen Augen werden Redaktionen Jahr für Jahr weiter kaputt gespart. Und dann wundern sich die Verlagshäuser darüber, dass die Erzeugnisse, die nur noch von einer Handvoll Praktikanten zusammengepfriemelt wird, niemand mehr lesen will. Aber anstatt neue Geschäftsmodelle zu etablieren, vergraulen sie ihre Leser mit Paywalls, unterstellen der Menschheit insgesamt kriminell zu sein und rufen nach gesetzlichem Schutz und garantierter Vergütung für den Schund, den sie rausblasen. Vollkommen absurd – und noch absurder, dass unserer Regierung sowas allen Ernstes umsetzt.

Solange die Macht der Verlage noch so groß ist, dass der alte Satz von Gerhardt Schröder noch stimmt, der sagte “Das Land wird mit der BILD regiert”, solange geht es den Verlagen noch nicht schlecht genug.

Und was eine Regierungskoalition angeht, die Klientelpolitik betreibt und die gestern Gesetze für Hoteliers, heute für Verlage und morgen für Apotheker macht: Eine solche Regierung gehört abgewählt, wenn wir nicht in Kürze soziale Unruhen haben wollen.

 
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Geschrieben von - 1. März 2013 in Betrachtung, Politik

 

Clownsprotest

Hahaha, nachdem Steinbrück Berlusconi und Grillo mit Clowns verglichen hat, protestieren nicht nur die Italiener – sondern auch die Clowns fühlen sich beleidigt.
So albern.

Vermutlich hat Steinbrück am Ende seines “Wahlkampfes” ohnehin jede Beruf- und Bevölkerungsgruppe, jedes Land und jede Religionsgemeinschaft einmal brüskiert und damit die SPD auf Jahre hinaus versenkt.

 
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Geschrieben von - 1. März 2013 in Betrachtung, Politik

 

Ordnungshilfe: Steinbrück, Berlusconi, Grillo, dagegen.

Was macht eigentlich… Peer Steinbrück, Kanzlerkandidatenkarikatur der SPD? Nun, der beleidigt gerade öffentlich die Wahlkämpfer Berlusconi und Grillo als Clowns und bekommt dafür eine Besuchsabsage von Staatspräsident Neapolitano – was Steinbrück überhaupt nicht verstehen kann.

Man man man… so langsam glaube ich wirklich, dass der Steinbrück von der CDU gekauft wurde. Jetzt hat er schon die Schweizer UND die Italiener gegen die Deutschen aufgebracht, und dabei ist er noch nicht mal in der heißen Phase des Wahlkampfs. Was würde der erst anrichten, wenn er Kanzlerin anstelle des Kanzlers Frau Merkel würde? Den dritten Weltkrieg auslösen? Aber das redet er sich dann sicher auch schön, mit einer Mischung aus “ich bin halt so, ich muss Klartext reden” und “Mimimi, die Medien zitieren mich falsch, die fahren eine Kampagne gegen mich”. Genau diese beiden Argumente bringt er nämlich aktuell vor. Wobei “ich bin halt so” IMMER die Universalausrede von menschlich kaputten Arschlöchern ohne jegliche Empathie ist, um sich wie der letzte Dreck aufführen zu können. Und, seien wir ehrlich, genauso kommt er auch rüber. Aktuell spielt er außerdem noch die “wird man ja noch sagen dürfen”-Karte. Schlimm, der Mann.

Noch eine kleine Ordnungshilfe zur Wahl in Italien: Berlusconi ist natürlich schlimm, der wird halt immer noch von seinen eigenen Leuten und dem italienischen Pendant von “Bild”-Lesern gewählt, die in der von ihm geschaffenen Medienblase leben. Ähnlich wie Steinbrück, der in seiner eigenen Blase lebt, in der er der unbeugsame und unangepasste Held ist, hat Berlusconi mit seinen TV-Sendern, Zeitungen und Radiostationen eine Blase um Menschen herum errichtet, in denen er von früh bis spät als Held stilisiert wird, der Italien verteidigt – vor den Bürokraten in Brüssel genauso wie vor der Hexe Merkel. Altes Mediengesetz: Wenn man etwas nur oft genug wiederholt, akzeptieren es die Leute als Wahrheit. Italien ist zu einem Teil immer noch die Mediendemokratie, die Berlusconi in den Jahren seiner Präsidentschaft geschaffen hat, und das merkt man.

Und Beppo Grillo, der 64jährige, frühere Kaberettist? Nun, DER ist was ganz besonderes. In hiesigen Medien wird er ja gerne als Populist denunziert. Tatsächlich hat er es geschafft, die Akademiker des Landes zu aktivieren. Viele seiner Anhänger, und vor allem die Kandidaten seiner Bewegung für Ämter, sind jung, gut ausgebildert – und zur Hälfte Frauen! Und das Wahlprogramm? Reform des politischen Systems, dass das teuerste und inefizienteste der Welt ist!
Zitat Grillo: “Die Mutter dreier Kinder, die Akademikerin und den Ingenieur – die sind es, die ich als Vertreter des Volks im Parlament haben möchte”.

Muss man sich mal vorstellen: Junge Akademikerinnen! Strukturreformen! In einem Land, in dem Frauen normalerweise nur als Veline wahrgenommen werden! Und DIE erreichen aus dem Stand in manchen Regionen 30 Prozent der Stimmen, weil die Leute ineffiziente, kurzfristige Politik satt haben.

In der Summe war die Wahl in Italien eine Protestwahl. Gegen das eigene, korrupte, politische System, gegen Brüssel, gegen Merkel. Klar, dass da etablierten Parteien der Stift geht. nicht nur in Italien, sondern auch bei uns. Nicht auszudenken, wenn das Schule machen würde, und plötzlich alle darauf kommen, dass es Zeit ist, den Steinbrücks und Merkels mal zu zeigen, dass Politik heute anders aussehen muss.

 
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Geschrieben von - 27. Februar 2013 in Betrachtung

 

Meteoritische Pferdestärken bei Amazon

Man man man, da ist man mal eine Woche nicht da und schon tritt der Papst zurück, Russland wird von Meteoriten weggebombt und Lasagne besteht aus Pferden. Wobei Letzteres nun echt kein Wunder sein sollte. Lebensmittel, die pro kompletter Mahlzeit 1,49 Euro kosten, bestehen aus zu Tode prozessiertem Müll, das sollte jedem denkenden Menschen klar sein. Da muss man über Pferdefleisch ja dankbar sein und sich freuen das nicht, sagen wir mal, Ratte, Presspappe oder flavorierter Bioabfall im Fertigfutter zu finden war. So waren es wenigstens natürliche Proteine. Ugh.

Übrigens: Mein Kleines Gelbes Auto TM hat 180 Lasagnes unter der Haube, Gnihihi

Vermutlich regen sich die gleichen Leute über Pferdefleisch in Billignahrung auf, die nun auch zum allerersten Mal verwundert zur Kenntnis nehmen, dass bei Amazon keine kleinen Elfen die Pakete packen, sondern echte Menschen. Und das diese Menschen dafür kein Akademikergehalt bekommen. Tja, unfassbar. Und damit meine ich nicht die Arbeitsbedingungen in den Fullfillment-Centern (die ich vertretbar finde), sondern die Naivität der Aufregenden.

 
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Geschrieben von - 20. Februar 2013 in Betrachtung

 

Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)

Ja, ich gucke #IBES gerne.

Ich mag kein Unterschichten-TV, und verachte Menschen, die sich an Sendungen über die Leben geistig simpler Menschen, die nicht verstehen, was Medien aus ihnen machen, ergötzen. IBES ist da anders, die Sendung spricht mit ihrem Witz nicht (nur) die Unterschicht an, und hier sind die Opfer vor allem geltungssüchtige Selbstdarsteller, die mediale Misshandlung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen WOLLEN und dabei wiederum auf die Nase fallen. Dieses Doppel- und Dreifachbödige, das Spiel mit den Ebenen, ist ein Erfolgsfaktor von IBES. Von daher war der schlichte Joey von Anfang an eine, nun, interessante, weil ungewöhnliche, Besetzung – genau wie die absolut pragmatische Claudelle, die sich mit ihrer geerdeten Art einen Platz in den Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer gesichert hat.

Statt “der Muddi”, der von allen haushoch favorisierten Olivia Jones, ist nun der erkennbar simple Joey Dschungelkönig geworden. Wenn man Joey zusieht, kann man den Eindruck gewinnen, dass er zu viel Klebstoff geschnüffelt hat – so entwaffnend naiv ist er. Aus dieser Naivität resultiert Authentizität un Ehrlichkeit. Und genau das hat ihm jetzt zum Sieg verholfen, gegen all die kalkulierenden Models, Playmates, Dragqueens und so weiter.

Und bevor jemand anders das mediale Phänomen tauft: Als Medienwissenschaftler gebe ich nach eingehender, äußerst wissenschaftlicher Analyse dem Prozess, dass sich ein schlichter Mensch gegen alle Trends und gegen eine Horde kühler Kalkulatoren durchsetzt, den Namen

“Forrest-Gump-Effekt”

Anscheinend besteht gesamtgesellschaftlich der Wunsch nach Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Ein zeitloser Klassiker, zuletzt zu wenig beachtet, aber halt authentische Lebenswirklichkeit.

 
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Geschrieben von - 27. Januar 2013 in Betrachtung, Medienschau

 

Kriminologisches Institut vs. Kirche oder: Die Person Pfeiffer

Das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen ist mal wieder in den Schlagzeilen, und der Leiter, Dr. Christian Pfeiffer, stellt sich (wieder mal) als Retter der Grundwerte da und erhebt Vorwürfe.

Anlass ist die Beendigung des Forschungsprojekts “Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz”. Das Projekt war vor ein einhalb Jahren von der Kirche gestartet und als Auftrag an das KFN vergeben worden, heute hat die Deutsche Bischofskonferenz die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit mit dem kriminologischen Institut abgebrochen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Weil das Vertrauensverhältnis zur Person des Dr. Christian Pfeiffer zerrüttet sei. Man suche jetzt einen neuen Partner für das Projekt.

Aus Christian Pfeiffers Mund hört sich das ganz anders an: Unangemessene Kontroll- und Zensurversuche sowie nachträgliche Vertragsänderungen habe es seitens der Kirche gegeben, das habe er nicht mittragen wollen. Harter Tobak, schwere Vorwürfe.

Man ist in solchen Momenten ja immer erst einmal geneigt der Kirche alle Schlechtigkeiten zuzutrauen und NATÜRLICH davon auszugehen, dass die Pfaffen nicht wollen das rauskommt, wer da an wem wie oft rumgespielt hat. Aber so einfach ist das hier nicht, und weil mich das kriminologische Forschungsinstitut und ebenso Christian Pfeiffer und seine Schwester schon länger beschäftigen, hier ein kurzer Exkurs.

Das Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen wurde 1979 gegründet, um, äh, Forschung auf dem Gebiet der Kriminologie zu betreiben. Unabhängig von einer Hochschule, in Trägerschaft eines Vereins. Das interdisziplinäre Institut beschäftigt fünf Mitarbeiter, die sich mit verschiedensten Themen befassen, wie etwas Gewalt gegen Polizeibeamte, Analysen der Polizeistatistiken und der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf den Strafvollzug.

Christian Pfeiffer ist Leiter des Instituts, und er kümmert sich sehr medienwirksam darum. Sein großes Steckenpferd sind Computer- und Videospiele, die er als Übel der Welt ausgemacht hat. Gibt es wieder mal einen erweiterten Suizid, ist Pfeiffer mit Sicherheit einer der ersten, der als Experte in die Betroffenheitsrunden eingeladen wird und in die Kameras sagt, dass der Grund dafür in gewalttätigen Videospielen zu suchen ist. Gibt es gerade keinen aktuellen Anlass, publiziert das Institut einfach mal so Studien, in denen Videospiele Schuld sind an Jugendarmut, Probleme mit dem Waffenrecht oder dem schlechten Wetter.

Wird ein Experte mit klar definierter Meinung gesucht und Christian Pfeiffer hat gerade keine Zeit, kommt seine Schwester Regine gern in den Fernsehstudios und Vortragssälen vorbei. Die 71jährige ist ehemalige Lehrerin und darf dann sagen, dass Videspiele schlimm sind und verboten gehören. Oder zumindest besser kontrolliert. Denn die Selbstkontrolle der Industrie versagt ja. Dauernd. Sieht man ja, überall, diese verlodderten und abhängigen Jugendlichen, schlimm ist das.

Worauf beide Pfeiffers immer wieder zurückkommen: Der Jugenschutz ist nicht streng genug, das mit Spielen Geld verdient wird ist nachgerade verwerflich, die Kontrollinstanzen versagen. Videospiele sollten künftig von einer Stelle kontrolliert werden, wie z.B….. einem kriminologischen Institut in Trägerschaft eines Vereins! Ja, genau, das wäre es!

In meinen Augen führen Christian Pfeiffer und seine Schwester einen Feldzug aus monetärer Motivation, bei dem Sie Ergebnisse der Medienwirkungsforschung und aktuelle, oft tragische Ereignisse schamlos nutzen und verdrehen, damit zukünftig “ihr” Institut die Gelder für Prüfungen einnehmen kann – und dabei handelt es sich nicht um geringe Beträge, denn aktuell muss JEDES Spiel, das in Deutschland auf den Markt will, geprüft werden, und der Publisher mus dafür zahlen. Bei diesem Feldzug für “ihr” Institut nutzen die beiden Pfeiffers gerne unseriöse Mittel, von unzulässiger Verkürzung und kontextlosen Zitaten bis hin zur Desinformation. Leider bieten ihnen politisch in die gleiche Richtung steuernde Medien, wie gewisse Formate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (notorisch: Frontal 21, eine schöne Zusammenfassung der Manipulationen der Redaktion und Pfeiffer ab Minute 8:30 hier: http://youtu.be/6-QZryzT1qg ) immer wieder eine Plattform dafür.

Um den Bogen zurück zum Anfang zu bekommen: Ich habe keine Ahnung, was da genau zwischen Kirche und Kriminologischen Forschungsinstitut passiert ist. Kann sein, dass die Kirche Dreck unter den Teppich kehren wollte. Unmöglich wäre das nicht, aber seltsam, immerhin hat die Kirche das Projekt initiiert und will es auch weiterführen – nur eben nicht mit Pfeiffer. Die Person des Dr. Christian Pfeiffer hat in meinen Augen schon sehr lange die eigene Glaubwürdigkeit und die des kriminologischen Instituts verspielt, weshalb ich es ebenso für möglich halte, das der Mann Datenschutz tatsächlich für etwas hält, was potentielle Täter nicht verdient haben – und was letztlich ja auch zu viel weniger schönen Schlagzeilen führen würde. Da würde es dann passen, dass der Auftraggeber ihm die Zusammenarbeit kündigt und in noch größeren Maße passt dazu, dass Pfeiffer dann in die Offensive geht und das Verhalten der Kirche “anklagt”. Den darin sind sie groß, die Pfeiffers: Anklagen, anprangern, mahnen und den Finger erheben. Irgendjemand muss es ja tun. Und wenn es der eigenen Reputation dient…

—-
Nachtrag: Christian Pfeiffer ist übrigens auch für das katastrophale Fehlgutachten im Fall Sebnitz verantwortlich. Und derjenige, der allen ernstes behauptete, dass Ausländerfeindlichkeit im Osten Deutschlands mit der autoritären Erziehung in DDR-Krippen zusammenhängt.

 
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Geschrieben von - 9. Januar 2013 in Betrachtung

 

Zugriff!

Oh, guck mal an, jetzt haben sich die USA nochmal explizit das Recht gegeben, auf Daten von Europäern zuzugreifen: QUELLE. Früher musste ja der Patriot Act dafür herhalten, oder Verdachtsmomente zum Millenium Digital Copyright Act.

Man muss es immer und immer wieder sagen: Der Preis für die schöne, vollsynchronisierte Netzwelt ist, das man sich der Überwachung ausliefert. Es ist keine Paranoia, sondern eine Tatsache, das Firmen und Geheimdienste die eigenen Daten durchwühlen, wenn man sie in Cloudservices speichert. Egal ob Google Drive, Microsoft Skydrive, Apple icloud, Dropbox oder Amazon Cloud: Die Firmen scannen die eigenen Inhalte automatisiert ab und löschen auch schon mal ohne Ankündigung, wenn ihnen was nicht gefällt. Und Geheimdienste haben ebenfalls Zugriff. Übrigens nicht nur auf Cloudsysteme, sondern auch auf Firewalls und ähnliche Sicherheitssoftware.

Und wer jetzt denkt: “Meine Daten liegen in der Cloud eine deutschen Anbieters, da sind die sicher”, dem sei gesagt: Deutsche Anbieter, AUCH UND GERADE die deutsche Telekom, mieten für ihre Cloudsachen Storage von Subunternehmern an, und wo deren Server stehen, danach fragt entweder keiner, oder es ist egal. Und plötzlich liegen die Daten eben doch wieder auf einem amerikanischen Server. Mein Tip: Eigene Daten nur auf dem eigenen Rechner lassen. Am besten verschlüsselt.

 
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Geschrieben von - 9. Januar 2013 in Betrachtung

 

Schnapspralinen, die 2te

Kennt ihr jemanden, der “Mon Cherie” nicht mag? Eben. Ich auch nicht, anscheinend. Es zu kennen heisst, es zu lieben und wer es liebt, kennt es vermutlich auch. Diese wundervolle Piemont-Kirsche, handgepflückt von Claudia Bertani, die in edelstem, äh, Dings schwimmt. Und die Schnapspraline erst, umhüllt von edelster Schokolade. Jaja, so lecker, man möchte sich von morgens bis abends damit einreiben und dann selbst ablecken.

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Weil ich ja ganz selbstlos bin und meiner Leserschaft gerne was Gutes tue, gibt es hier und jetzt eine Sammelpackung der süssen Versuchung im praktischen Ziegelsteinformat. Es fällt mir äußerst schwer mich davon zu trennen, aber was tut man nicht alles.

Also: Wer die feinen Schnapspralinen mit der körpereigenen Struktur vereinen möchte, führe in den Kommentaren den folgenden Satz auf möglichst originelle Weise zu Ende:

“Wenn ich Huhu wäre, würde ich…”

Unter allen Kommentaren wird, unter Ausschluss des Rechtwegs, am 4.1.13 eine, extra für diesen Zweck besorgte, Packung verlost.

 
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Geschrieben von - 28. Dezember 2012 in Betrachtung

 

Schnapspralinenvermutung

Achtung. Der folgende Artikel beinhaltet fahrlässige und nicht recherchierte Generalisierungen. Und lustig ist er auch nicht. Lesen ist reine Zeitverschwendung. Gucken Sie stattdessen lieber Tiervideos oder so.

Habt ihr schon einmal jemanden getroffen, der “Mon Cheri” wirklich mag?
Ich auch nicht.
Stattdessen wird die Vermutung immer mehr zur Gewissheit: Mon Cheri, die Claudia-Bertani-mit-der-Piemont-Kirsche-Schnapspraline, wird nur gekauft, um möglichst schnell verschenkt zu werden. NIEMAND kauft das für sich selbst.

Wobei das allein schon seltsam genug ist – wenn das Kram niemand wirklich mag, warum verschenkt man es dann? Warum nicht was Leckeres verschenken, wie, sagen wir mal, Kinderschokolade oder Twix oder so. Und: Was machen eigentlich die Beschenkten damit? Freundlich bedanken und dann wegwerfen? Im Kreis weiterverschenken, bis das MHD überschritten ist? Ist DAS vielleicht der Grund, warum die Dinger nicht über den Sommer haltbar sind? Weil man sie dann guten Gewissens im Abfall entsorgen kann, nur um dann im Herbst, zum Beginn der Verschenksaison, wieder neue kaufen zu müssen?

Wenn man Mon Cheri aus irgendwas herstellen würde, was nicht schlecht wird oder vergammelt, sagen wir man, aus Plaste oder… Stein, wäre dann nach einem Weihnachtsfest der Wirtschaftskreislauf für immer mit Mon Cheri gesättigt? Und: Wäre es nicht viel sinnvoller, im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn man tatsächlich formschöne Ziegelsteine von Einem zum Nächsten verschenken würde? Die Materie gewordene Geste des “Mir liegt was an Dir und ich zeige Dir das indem ich Dir eine Kleinigkeit schenke”, aber ohne überflüssige Kalorien, ohne Verpackung, eklige Zartbitterschokolade und labbrigen Kirschen in fiesem Alkohol.
Hm.

Wir halten fest: Niemand mag diese Schnapspralinen. Mit Ausnahme von alten Damen mit Pelzhütchen und kommunistische Kängurus, vielleicht. Denken Sie bitte daran, wenn Sie das nächste mal vor dem Süßwarenregal stehen, weil sie jemanden beschenken wollen/müssen. Verschenken Sie lieber einen Ziegelstein und verweisen Sie auf diesen Blogeintrag.

 
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Geschrieben von - 28. Dezember 2012 in Betrachtung

 

Preis der Weihnacht

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Ich gehöre ja zu den ersten die dem Einzelhandel gerne erklären, dass es eine schlechte Strategie ist, dieses “Online” zu ignorieren. Da der aber nicht auf mich hört, sondern sich im Gegenteil immer dusseliger anstellt, wird Jahr für Jahr mehr online bestellt. Das ist bequem und geht schnell. Und wie immer, wenn etwas in unserem Wirtschaftssystem für jemanden bequem ist, passiert das auf dem Rücken von jemandem anders.

Im Fall des weihnachtlichen Onlineshoppimgs wird das besonders deutlich. Anscheinend brennen reihenweise die Zusteller aus, weil DHL, Hermes und Co. sich zwar über den Umsatzzuwachs freuen, die Gewinne aber nicht in mehr Personal investieren. So manch einer war leicht irritiert, dass die Zusteller heuer auch Sonntags arbeiten. Tja, das machen die nicht freiwillig, die meisten werden auch nicht extra dafür bezahlt – aber sonst schaffen sie ihr Soll halt nicht.

Mehr dazu beim SPIEGEL.

 
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Geschrieben von - 24. Dezember 2012 in Betrachtung

 

Wird Zeit für Weihnachten

Es wird Zeit, dass dieses “Weihnachten” endlich mal anfängt, damit die Zahl der Verhaltensauffälligkeiten wieder auf ein Normalmaß zurückgeht. Im Moment nimmt, wie immer, wenn viele Leute gleichzeitig frei und kaufrausch haben, das Atavistische in unserer Gesellschaft überhand.

In diesem Jahr ist es besonders schlimm, weil die eine Hälfte der Bevölkerung schon seit dieser Woche Urlaub hat und damit die noch arbeitende Hälfte der Menschheit (und sich selbst) in den Wahnsinn treibt. Ist halt so: Menschen brauchen Beschäftigung, dann geht es ihnen gut. Wenn sie nichts zu tun haben, fangen sie an, absurde Dinge zu machen. Und je länger kollektive Ferien dauern, desto schlimmer wird es. Aktuell kommt noch der Vorweihnachtsstress hinzu, so dass wir quasi in einer einwöchigen Phase des Lampenfiebers auf´s Fest sind – ein Stresslevel, das viele nicht aushalten. Die Anzahl derer, die heuer im Roten drehen und die Zahl der Handlungen, die man bestenfalls noch unter “surreal” verbuchen kann, ist jedenfalls extrem hoch.

Aktuelles Beispiel aus meinem Umfeld: Das lokale Lichtspielhaus, in dessen Hallen ich den Hobbit zu sehen gedachte, erwartet für das Wochenende vor Weihnachten hohes Interesse. Das ist soweit nichts ungewöhnliches, das passiert. Neu ist allerdings, dass wegen des großen Andrangs Reservierungen nicht möglich sind. WTF, Cinemaxx? Das ist ungefähr so, als wenn ich sage: Wegen des hohen Verkehrsaufkommens schalten wir mal lieber die Ampeln ab.

Echt jetzt, wird Zeit das Weihnachten endlich anfängt.

 
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Geschrieben von - 19. Dezember 2012 in Betrachtung

 

Abgesagte Erfolgsmeldung

Bundesinnenminister Dr. Friedrich sagt schweren Herzens die eilig anberaumte Pressekonferenz wieder ab. Was ist passiert?

Vorgestern wurde eine verdächtige Tasche am Bahnhof in Bonn gefunden. Vorsichtshalber wurde sie gesprengt, Inhalt der Tasche waren Chemikalien. Noch steht nicht fest, ob das eine Bombe oder überhaupt gefährlich war. Was aber binnen Stunden feststand: Das waren Salafisten, Angehörige jener ultrakonservativen Splittergruppe von Islamgläubigen, denen stets Gewaltbereitschaft unterstellt wird. Jene Salafisten, von der vorher nie jemand was gehört hatte, bis Innenminister Friedich sie als die größten Feinde der Bundesrepublik identifiziert hatte. Prompt sprang der Innenminister vor Freude im Carré und wollte den Sieg über das Böse vor der Presse verkünden. Dooferweise kam ihm die Realität in die Quere.

Die ganze Verhaftung der beiden Männer beruhte darauf, dass ein Kind einen Mann dabei beobachtet haben will, wie er die Tasche abstellte. Anhand der Beschreibung des Kinds wurde ein Phantombild gemalt, und anhand dessen marschierte die Polizei los und verhaftete zwei Männer. Die waren angeblich als dem Islam zugeneigt bekannt, was in der Presse schnell von Islamisten über “gewaltbereite radikalislamistische Salafisten” eskalierte. Heute morgen steht fest: Die Männer sind unschuldig, die Bonner Polizei hat lediglich genauso gehandelt wie ihre französischen Kollegen in Casablanca: Sie hat die üblichen Verdächtigen befragt. So weit, so unspektakulär.

Für mich sind zwei Dinge an der Sache die eigentlichen Aufreger:
1. Die Geilheit des Innenministers, endlich mal Salafisten zu finden. Diese Phantome hat sich der CSU-Hardliner aus dem Hintern gezogen, um repressive Überwachungsmaßnahmen und Sonderbefugnisse zu bekommen.

2. Das Totalversagen der Presse, die sich mal wieder überschlug und Unschuldige zu Uberterroristen und Bonn (haha. BONN!!!) zur umkämpften Terrorhochburg hochschrieb. Selbst bei der Entwarnung versagt der Quaitätsjournalismus gerade. “Wir haben die Männer nur befragt und Handydaten abgeglichen”, sagt die Polizei, und genau das schreibt die Presse. Nur Handydaten abgeglichen.
Nur.

Keine Qualitätsjournalist kommt auf die Idee nachzufragen, wieso die Polizei Handydaten abgleichen will. Das sind nämlich Daten, die sie gar nicht ohne konkreten Verdacht erfassen oder speichern darf. Würde ich nicht wundern, wenn wir es hier mit einem ähnlichen Fall zu tun haben wie in Berlin, wo die Polizei Handydaten und Bewegungsmuster von Tausenden von Menschen abgeschnorchelt hat um am Ende Kinder festzunehmen, die Autos zerkratzt haben. Mit unrechtmäßiger Datenspeicherung verstösst die Polizei gegen Gesetze und bespitzelt ihre Bevölkerung in einem Maße, von dem die Stasi nur geträumt hat. Keine Ahnung, ob das im vorliegenden Fall geschehen ist – es wäre halt nur nicht das erste Mal.

 
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Geschrieben von - 12. Dezember 2012 in Betrachtung

 

Ordnungshilfe: Leistungsschutzrecht

In der Tagesschau wird in einer Kurzmeldung erwähnt, dass der Bundestag über das sog. “Leistungsschuzrecht” berät. Angeblich macht Google dagegen mobil. In der Zeitung steht davon nichts, also kann es nicht so wichtig sein, oder?

Falsch.

Oh, da steht ja doch was in der Zeitung. Ein Kommentar der Redaktion. Sie schreiben, dass Google die Zeitungen ihre Arbeitsplätze kaputt macht, weil es ihre Artikel kopiert und selbst weiterverkauft. Das ist ja Diebstahl! Gut, das mal jemand was dagegen macht! Dann ist das Leistungsschutzrecht, dass die Leistungen der Journalisten schützt ja was richtig Gutes, was?

Falsch.

In der Tat ist es nicht einfach, sich in dieser emotional geführten Debatte einen Überblick zu verschaffen. Insbesondere, weil klassische Medien in der Causa Leistungsschutzrecht (LSR) nicht oder gezielt falsch berichten. Was wir hier sehen ist die vermutlich größte Vertuschungs- und Desinformationskampagne aller Zeiten, durchgeführt als konzertierte Aktion der Verlage unter Führung des Springer Verlags. Ich übertreibe nicht.

Das sind die Fakten:

Der Verlagsbranche geht es seit Jahren schlecht und schlechter. Die Auflagen der gedruckten Zeitugen sinken, Werbeumsätze brechen ein. Als Schuldigen dafür hat man Internetnutzer und -dienste ausgemacht. Vor denen möchten die Verlage nun geschützt werden, und sie wollen Geld für ihre Inhalten haben. Mit eigenen Angeboten Geld verdienen ist nicht verwerflich, aber Bezahlangebote haben es im Netz schwer. Deshalb ist auf allen Zeitungswebseiten Werbung geschaltet, die finanziert zumindest zum Teil das Angebot. Die Verlage möchten aber mehr Geld für ihre Inhalte haben. Bezahlabos u.ä. Modelle, bei denen der Nutzer die Wahl hat, laufen schlecht – weil im Internet nämlich, mal als Beispiel, das Schwalmbrücker Käseblatt in Konkurrenz zu Spiegel Online steht, das genauso viele Klicks entfernt und kostenlos ist.

Nun sind die Verlage auf eine Idee gekommen. Wenn man Geld für Internetinhalte bekommen möchte, ohne Privatpersonen bezahlen zu lassen – dann müssen das eben Firmen tun. Und die muss man per Gesetz dazu zwingen. Damit war die Idee des Leistungsschutzrechts in der Welt, und fortan schwärmten die Lobbyisten der Verlagsbranche aus und bearbeiteten Politiker. Die Botschaft war immer die gleiche: Da gucken sich Leute unsere Artikel an und ziehen beruflichen Vorteil daraus, also sollen sie dafür zahlen!

Ein Beispiel: Wenn ich was über Änderungen bei der Krankenversicherung wissen möchte und mich privat evtl. auf http://www.schwalmbrücker-Käseblatt.de darüber informiere, soll das kostenfrei sein. Wenn ich das aber tue, weil ich z.B. dieses Wissen beruflich haben muss, DANN soll meine Firma dafür Geld bezahlen. Das ist das Leserecht, das im Leistungsschutzerecht verankert sein soll.

Der zweite Bestandteil des LSR ist das Snippetrecht, das die Verwendung von Snippets für jedermann untersagen soll. Was sind denn nun Snippets? Snippets sind kleine Textfragmente, aus denen man ungefähr erahnen kann, worum es im Text geht. Die soll niemand mehr verwenden dürfen, auch die Verwendung ähnlich lautender Formulierungen soll durch das LSR strafbar werden. Und zwar für alle, die Text produzieren, auch die kleinen Blogger. Die Folgen sind absehbar. Wenn die Verwendung kleinster Textbausteine und Halbsätze unter Strafe steht, wird das im besten Fall weitgehende Rechtsunsicherheit bringen, im schlimmsten Fall grenzenlose Abmahnwellen. Dabei kann es wirklich jeden treffen: Schon dann, wenn man einen Link auf Facebook postet. Denn Facebook generiert automatisch ein Snippet, für das derjenige haftet, der den Link eingibt.

Aktuell beteuern die Verlage, dass man es ja nicht auf die Blogger abgesehen habe (was man sehr wohl doch hat), sondern es geht um große Dienste wie Google, die die Inhalte der Verlage ungefragt klauen, kopieren und dann als eigene Angebote ausgeben. Dem wolle man einen Riegel vorschieben.

Gucken wir uns spasseshalber mal an, was Google eigentlich tut. Das hier ist die Startseite von Google News:

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Gut zu erkennen: Google News zeigt aktuelle Schlagzeilen und verwendet Snippets, um Besuchern einen Nachrichtenüberlick zu ermöglichen. Man kann aber keine ganzen Artikel lesen. Um das zu tun, muss man auf die Überschrift klicken und kommt dann auf die Seite der Zeitung, von der der Artikel stammt. Die gleiche Zeitungsseite, die mit Werbung gespickt ist und von Klicks und Verlinkungen darauf lebt. Google sorgt, Werbefrei, für Publikumsverkehr auf den Zeitungsseiten – und soll dafür bestraft werden.

Jahaa, sagen die Verlage, aber die Snippets gehören uns. Und Google fischt die einfach so ab, das geht doch nicht! Doch, das geht. Besonders kurze Wortfolgen sind nicht vom Urheberrecht geschützt. Und das mit gutme Grund, weil der Gesetzgeber nämlich fürchtete, dass sonst wegen wiederverwendeter oder ähnlicher Halbsätze juristische Auseinandersetzungen stattfinden würden. Nicht ohne Grund, wie ich finde.

Nichtsdestotrotz hätte bereits jetzt jeder Verlag die Möglichkeit für jeden einzelnen Artikel festzulegen, ob Google den Artikel normal in seinen Suchindex aufnehmen soll (mit Snippet), oder ob NUR die Überschrift bei den Suchtreffern angezeigt werden soll ODER ob der Artikel gar nicht bei Google News auftauchen soll. Nochmal: Für JEDEN Artikel kann man das einstellen. Was man für sich behalten möchte, kann man für sich behalten. Die Verlage behaupten, das ginge nicht – und das ist eine Lüge.

Um die Situation mit einem Beispiel, das nicht von mir stammt, zusammenzufassen: Die Verlage betreiben einen Puff und Google ist der Taxifahrer, der die Kundschaft vorbeibringt. Außerdem springen überall in der Stadt nackte Frauen herum. Was die Verlage nun wollen, ist, das der Taxifahrer dafür zahlen soll, dass er Kundschaft bringt. Und die Kundschaft soll dafür zahlen, wenn sie zufällig eine der nackten Frauen sieht – auch, wenn er gar nicht im Puff ist.

Klingt bizarr? Ja, tut es. Die Folgen eines LSR, wenn es beschlosse wird, sind weitreichend und kaum abzusehen. Blogger, Google und neuerdings auch Juristen laufen Sturm gegen das LSR. Vor kurzem veröffentlichte das Max-Planck-Insitut für Immaterialgüter ein Gutachten. Führende Urheberrechtsjuristen untersuchten das LSR und kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht gebraucht wird, weil kein Grund dafür ersichtlich ist, wenn es aber doch käme es einen volkswirtschaftlichen Schaden hervorrufen würden. Denn warum sollten Nutzer für deutsche Presseangebote zahlen, wenn Presseangebote anderer Länder kostenlos und ebenso nahe sind?

Zusammengefasst kann man also sagen, dass wir es hier mit einem Gesetzentwurf zu tun haben, der auf das Betreiben der großen Verlage wie Springer und Burda zurückzuführen ist und der einzig dazu dient, die Verlage an Newsaggregatoren anderer verdienen zu lassen. Urheberrechtsexperten sehen den Sinn nicht und halten es für schädlich. Käme das Gesetz, würde es das deutsche Internet für immer zum negativen verändern und jeden einzelnen von uns treffen. Da es hierbei um Verlagsinteressen geht, wird über das LSR nicht oder falsch berichtet – hier nutzen die Verlage tatsächlich ihre Macht, um sich ein Gesetz zum Schutz ihrer alten Geschäftsmodelle schreiben zu lassen und nutzen ihren Einfluss auf die Berichterstattung, um darüber entweder nicht oder falsch zu berichten. Die Bundesregierung will das LSR trotzdem beschließen lassen – steht ja so im Koalitionsvertrag.

Mehr zum Thema: IgeL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht
Stefan Niggemeier: Leistungsschutzrecht

Anm.: Da leiere ich mir über Tage diesen Artikel aus den Fingern, und dann erklärt Frank Rieger bei der FAZ das ganze Thema besser und präziser. Nunja. Wenigstens eine Zeitung aufgewacht.
Frank Rieger: Leistungsschutzrecht – eine unheilige Scheindebatte.

 
4 Kommentare

Geschrieben von - 4. Dezember 2012 in Betrachtung, Service

 
 
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