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Archiv der Kategorie: Medienschau

Babyboomer als Feindbild

Früher waren die Alten pragmatisch und die Jungen idealistisch.
Heute sind die Jungen desillusioniert. Sie wagen es nicht einmal mehr zu kämpfen.
Es ist absurd: Während die Jungen vor der Zeit altern, genießen die Alten die Privilegien der Jugend – Unbekümmertheit und Unvernunft.

Einen interessanten Text hat die ZEIT da zusammengeschrieben. Es geht um die Generation der Babyboomer, die Generation von Menschen, die Mitter der 50er bis Mitte der 60er geboren wurden. Sie, so suggeriert der Text, waren schon immer viele, mussten nur im Strom schwimmen, kennen keinen Widerspruch. Sie verachten die Alt-68er, profitieren aber von deren Leistungen, während sie gleichzeitig den Sozialstaat zurückbauen und kommende Generationen kleinhalten. Dafür lässt ihre eigene Generation es richtig krachen: Besetzt wichtige Posten bis ins hohe Alter und stellt Demographie und Erbverhalten komplett auf den Kopf. Anstatt am Lebensende den Stab (und das Vermögen) an die nächste Generation weiterzureichen, werden die Babyboomer aller selbst verkonsumiert haben, erst für Luxus, dann für Ihre Gesundheit.

Money Quote:

Zu jeder Zeit ihres Lebens profitierten sie von gut finanzierten Staatsprogrammen: Als sie jung waren, wurden für sie die Universitäten ausgebaut, das Bafög wurde erfunden. Als Berufstätige freuten sie sich über massive Steuersenkungen. Als Ältere kommen sie in den Genuss eines historisch einmaligen Versorgungswesens. Zum Dank haben sie den Staat zurückgebaut, wo sie nur konnten.

Sicher ist: Wir Jüngeren werden länger und mehr arbeiten müssen für weniger Geld. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, werden wir höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen, aber selbst später kaum mehr als eine Grundsicherung erhalten. Wir werden uns abrupt der Realität des Klimawandels stellen müssen. Und die Kosten der Finanzkrise werden wir auch zahlen.

Früher waren es die Kinder, die eine Party schmissen, und die Eltern, die das Desaster beseitigten. Die Babyboomer haben es geschafft, das Verhältnis umzukehren.

Der Text lässt einem beim Lesen immer wieder mit dem Kopf nicken, und am Ende mit einem guten Stück Wut im Bauch zurück, auf diese egoistische Generation der Blockierer. Den Feind “Babyboomer” hat man so vielleicht noch nicht wahrgenommen, aber die im Text beschriebenen, möglichen Konsequenzen hat jeder von uns schon erlebt.

Aber genau damit habe ich ein Problem. Hier gibt es einfache Antworten auf komplexe Problemstellungen, und damit macht man es sich immer zu leicht. So funktioniert die Welt nicht. “An allem sind die Babyboomer Schuld” ist natürlich eine sehr einfache Antwort. Der Text baut die Generation der Babyboomer als ein Feindbild auf, und schreibt die in eine ungekannte Höhe hinauf, nur um ihnen dann das Unglück der Welt in die Schuhe zu schieben. Das ist ab einem gewissen Maß nicht mehr fair, allerdings sorgt die Überhöhung auch dafür, dass man nach der Lektüre intensiv darüber nachdenkt.

Der komplette Text findet sich hier:
http://www.zeit.de/2013/17/demografie-babyboomer

 
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Geschrieben von - 24. April 2013 in Ganz Kurz, Medienschau

 

Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)

Ja, ich gucke #IBES gerne.

Ich mag kein Unterschichten-TV, und verachte Menschen, die sich an Sendungen über die Leben geistig simpler Menschen, die nicht verstehen, was Medien aus ihnen machen, ergötzen. IBES ist da anders, die Sendung spricht mit ihrem Witz nicht (nur) die Unterschicht an, und hier sind die Opfer vor allem geltungssüchtige Selbstdarsteller, die mediale Misshandlung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen WOLLEN und dabei wiederum auf die Nase fallen. Dieses Doppel- und Dreifachbödige, das Spiel mit den Ebenen, ist ein Erfolgsfaktor von IBES. Von daher war der schlichte Joey von Anfang an eine, nun, interessante, weil ungewöhnliche, Besetzung – genau wie die absolut pragmatische Claudelle, die sich mit ihrer geerdeten Art einen Platz in den Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer gesichert hat.

Statt “der Muddi”, der von allen haushoch favorisierten Olivia Jones, ist nun der erkennbar simple Joey Dschungelkönig geworden. Wenn man Joey zusieht, kann man den Eindruck gewinnen, dass er zu viel Klebstoff geschnüffelt hat – so entwaffnend naiv ist er. Aus dieser Naivität resultiert Authentizität un Ehrlichkeit. Und genau das hat ihm jetzt zum Sieg verholfen, gegen all die kalkulierenden Models, Playmates, Dragqueens und so weiter.

Und bevor jemand anders das mediale Phänomen tauft: Als Medienwissenschaftler gebe ich nach eingehender, äußerst wissenschaftlicher Analyse dem Prozess, dass sich ein schlichter Mensch gegen alle Trends und gegen eine Horde kühler Kalkulatoren durchsetzt, den Namen

“Forrest-Gump-Effekt”

Anscheinend besteht gesamtgesellschaftlich der Wunsch nach Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Ein zeitloser Klassiker, zuletzt zu wenig beachtet, aber halt authentische Lebenswirklichkeit.

 
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Geschrieben von - 27. Januar 2013 in Betrachtung, Medienschau

 

Weisheit des Tages

“Anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it.”

- Douglas Adams

Sehr schönes Zitat, aber das ist nur ein Einsprengsel im wohl relevantesten Text der Woche. Verfasst vom, von mir sehr geschätzten, Herrn Kaliban, der mal wieder eine große Stunde hatte. Nachzulesen hier.

In der Folge nimmt er in wenigen, präzisen Sätzen die Netzberichterstattung der Süddeutschen Zeitung auseinander, danach Frau Zehnpfennig, Ihres Zeichens Passauer Professorin und vermutlich entweder Templerin oder CSU-Mitglied, die behauptet, Transparenz und das Netz gefährde die Orte, an denen “Demokratie blüht”: Die Hinterzimmer.

Money Quote:

“Das ist nun wirklich das ungefilterte Denken der Eliten.

Genau so hätten sie’s gern. Keine Mitbestimmung, keine Transparenz, nur der Klüngel und die Hinterzimmer und die großen Zeitungen als ideologischer Türwächter.”

Sofortiger Lesebefehl: “Ach, das Netz ist so gefährlich” von Kaliban.

 
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Geschrieben von - 20. November 2012 in Medienschau

 

Journalistisches Highlight des Tages

Wenn der Feelgood-Manager eines Unternehmens im Bereich interaktiver Kundeninformation, Kiosk-Technologie und Digital Signage am POS ein positives Fazit zu seinem Lieblinksplace zieht …dann ist wieder mal Bullshit im Anflug.

Passt aber zu der Einladung zwei Zeilen tiefer, bei der zum “Haxenessen des Mittelstands mit Eckard von Klaeden” eingeladen wird. So stelle ich mir den ersten Kreis der Hölle vor.

 
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Geschrieben von - 12. November 2012 in Medienschau

 

Überlegt

Ob RTL-Reporter wohl nachdenken, bevor Sie Sätze aufsagen wie “das unehrenhafte Verhalten des Capitano Dilettante bringt Schande über das gesamte Land”?
Vermutlich nicht.

 
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Geschrieben von - 19. Januar 2012 in Medienschau

 

Neues Gesetz: Feiertage ab 2012 nur noch an Wochenenden

Boah, ich habe gerade SO einen Hals. Grund: Diese Meldung, gefunden in der LAZ.
Wenn ihr mich fragt: EIN SKANDAL!

Berlin (dpa) In den vergangenen Jahren fielen Feiertage gehäuft auf Wochenenden. Die Regierungskoaltition plant nun die gesetzliche Verankerung einer solch arbeitgeberfreundlichen Feiertagsgestaltung. Die könnte bereits im nächsten Jahr in Kraft treten.

Der Bundeskanzler Frau Merkel werde bereits in der Neujahrsansprache einen entsprechenden Gesetzesvorstoss öffentlich ankündigen, berichten informierte Kreise in Berlin. Vorab äußerte sich Philipp Rössler, Vorsitzender der FDP. Er sei angetreten, so Rösler, um frischen Wind zu verbreiten und alte Paradigmen zu hinterfragen. Dazu gehöre es auch, das Prinzip kalendarisch festgelegter Feiertage auf den Prüfstand zu stellen. Die letzten Jahre, in denen Weihnachten, Nationalfeiertag und Ostern stets auf Wochenenden gefallen waren, hätten die breite Akzeptanz in der Bevölkerung gezeigt. “Wir müssen flexibel sein, wenn wir den Wirtschaftsstandort Deutschland erhalten wollen. Es gibt keinen Grund, warum wir Heiligabend nicht am 20. Dezember feiern können, wenn das ein Freitag ist. Erster und zweiter Weihnachtsfeiertag lägen dann immer auf einem Samstag und Sonntag. Das ist zuverlässig und schafft dauerhaft Planungssicherheit.”

Den Vorwürfen, das hier nur die Interessen der Arbeitgeber bedient werden sollen, begegnet Bundesinnenminister Friedrichs (CSU) mit Hinweisen auf die innere Sicherheit. Er halte die Einführung flexibler Feiertage für alternativlos, insbesondere vor dem Hintergrund der Terrorgefahr führe kein Weg um die Vorratsdatenspeicherung und die Flexibilisierung der Feiertage herum.

Kritik an diesem Vorhaben wird unterdessen aus den Reihen der Koalition laut. Dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel gehen die Vorschläge der Koalition nicht weit genug. “Wenn man hier wirklich etwas für die Wirtschaft und die Sicherheit tun wollte, dann müsste man konsequenterweise auch die Wochenenden abschaffen, wie es die SPD seit jeher fordert. Von dieser Forderung rücken wir auch jetzt nicht ab”, so Gabriel. Aus Reihen der Grünen war zu vernehmen, das man den Vorstoss begrüße, da es Feiertage wie Weihnachen seien, die zur Vermeidung von Konsumterror und Kommerz abgeschafft gehörten. “Das sehen wir als Schritt in die richtige Richtung”, formulierte es der grüne Kanzlerkandidat Jürgen Trittin.

Wenig Widerstand gegen die Koalitionspläne gibt es auch von den Kirchen in Deutschland. Ferdinand Reymann, Bischof der Erzdioziöse Augsburg, betont, das es bei kirchlichen Feiertagen um die Symbolik gehe, und nicht um das Festhalten an konkreten Terminen. Die, so Reymann, seien “ohnehin nur Schätzwerte.”

Über einen Gesetzentwurf zur Feiertagsflexibilisierung soll im Bundestag bereits im Januar abgestimmt werden. Eine entsprechende Regelung könnte voraussichtlich schon im Sommer 2012 in Kraft treten. Die Weihnachtsfeiertage 2012 würden dann auf Samstag und Sonntag, 22. und 23. Dezember, fallen.

 
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Geschrieben von - 30. Dezember 2011 in Medienschau

 

Volksprodukte

Über die Schwemme an Werbe Tie-Ins zwischen der BILD-”Zeitung” und Gott und der Welt hatte ich mich an anderen Stellen schon genügend aufgeregt.

Es gilt die Regel: Irgend ein Kram + BILD-Werbung = Volksprodukt.

Kaffeemaschinen, Waschautomaten, Pizza, Versicherungen, Computer, Kameras, Schuhe, Alkoholika und alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird durch BILD zur Volkskaffeemaschine, Volkswaschmaschine, Volkspizza, Volks-PC, Volks-Notebook, Volkskamera, (…you get the idea…) “veredelt”.

Schlimm genug ist schon, dass die BILD regelmäßig die Trennung von Werbung und redaktionellem Teil vergisst. Eine Stufe schlimmer ist noch die Namensgebung der Aktionen. Mir wird regelmäßig übel wenn ich sowas sehe. Im Ernst, wer hat es sich ausgedacht, ausgerechnet ein “Volks-” davorzuhängen? Hat ausser mir denn niemand Assoziationen bei denen der Begriff nicht positiv besetzt ist?

Musste ich neulich dran denken, als ich diesen Karton hier auf dem Dachboden gefunden im Museum gesehen habe:

Übrigens kann man sich dem Wahnsinn kaum entziehen. Selbst wenn man es eigentlich boykottiert.

 
 

In der Luft hängend: Irrsinn

Aufgrund der drei Dutzend Nachfragen (Du kannst jetzt aufhören Mails zu schreiben, Mutter!) hier der Hinweis: Der nächste Teil des AC2-Tourtagebuchs kommt. Ganz sicher und ganz bald. Und auch Huhu nimmt seine Arbeit für Projekt 52 wieder auf. Aber im Moment KOMM ICH HIER GERADE ZU GAR NIX.

Ist ja auch gerade ziemliche Irrsinn hier. Ich meine, wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Wir machen ein Kreuzchen und bestimmen damit, wer uns für die nächste Legislaturperiode vertreten soll. So weit, so einfach. Dummerweise kapiert die aktuelle Politikergeneration dieses simple Konzept irgendwie nicht. In der Folge muss nun ich, als Wähler, meine Vertreter dauernd davon abhalten dummes Zeug anzustellen. Nicht, dass ich die Schergen von Schwarz-Geld gewählt hätte, oh nein, aber mal ehrlich: Was sind das für schlimm dumme Leute, und was machen die gerade für schlimm-dumme Sachen? Stuttgart 21, z.B., der Bahnhof der nur Probleme machen wird und von dem keine Sau weiß was er kosten wird, weil ja nicht geplant, sondern nur mit Zahlen jongliert wurde, damit eine schwäbische Altherrenrunde Bauaufträge einsacken oder mit Grundstücken spekulieren kann. Dann die Hartz-IV-Neuberechnung, die auch schon wieder verfassungswidrig ist, was von der Leyen aber mal wieder nicht interessiert. Statt sich dem Problem zu stellen faselt die Arbeits- und Sozialministerin auf´s Lustigste von Kindern, für die Geld ja nicht alles ist:

Frau Minister beantwortet NICHT EINE der gestellten Fragen und wird giftig, als ZDF-Marodeurin Slomka nachfragt. Slomka macht es vermutlich nicht mehr lange beim CDU-Haussender, immerhin fragt sie auch kritische Dinge zu S21.

Dazu kommt noch ein Gesundheitsminister, der mehr Brutto als Netto in der Taschen der Bürger sehen möchte, damit die ihr Geld in die sozialen Sicherungssysteme stecken können (WTF?). Und als Krönung noch diese Dings, diese Zahnarzt Ministerfrau, die auf Twitter den Spitznamen Porno-Steffi erhalten hat. Aufklären wolle sie mit dieser schlimm dummen RTL2-Sendung. Tja, da hätte sie wohl vorher mal das Drehbuch lesen sollen. Ihr Comoderator ist keinen Deut besser: Ehemaliger Münchner “Super-Bulle”, dann Hamburger “Innensenator” und nun Moderatorenimitator Udo Nagel ist in der Vergangenheit aber dadurch aufgefallen, dass er allen möglichen Leuten allen möglichen Scheiss abgekauft hat. Der GLAUBT vielleicht sogar wirklich, dass er da was Gutes tut. In Wahrheit mißbrauchen die Kinder für die Quote. Aufklären tut dieses Drecksstück von Fernsehsendung keinen Milimeter.

Aufklären tut dagegen das BKA, aber nur ausgewählte und gefällige Journalisten. Bei denen heult das Amt rum, dass es ja quasi nie wieder ein Verbrechen aufklären kann, weil die Voratsdatenspeicherung in dem gewünschten Umfang verfassungswidrig ist. Buhu. Und tatsächlich, ein Großteil der geladenen Qualitätsjournaille schreibt unreflektiert genau diesen Unfug in seine Blätter.

Und wenn dann, in all diesem Schwachsinn, der Bundespräsident in einer Ansprache KEINE rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen macht, dann erntet er DAFÜR Schelte von CDU/CSU-Politikern.

Ach Ach Ach… können die sich bitte alle mal miteinander eingraben lassen oder so?
Dann hätte ich auch wieder mehr Zeit für Faxenkram hier im Blog. Aber so? So muss ich erstmal los, gegen den Blödsinn in der Welt ankämpfen und dafür sorgen, dass die Schergen nicht mal dieses, ihnen so unangenehme, Grundgesetz aus der Welt schaffen.

 
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Geschrieben von - 11. Oktober 2010 in Medienschau, Meinung, Meta

 

Die Geschichte wiederholt sich

SPIEGEL Ausgabe 24/2010:

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SPIEGEL Ausgabe 24/1985:

 
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Geschrieben von - 16. Juni 2010 in Medienschau

 

Bundesdings – wer wird es heute (nicht)

In den letzten Tagen wurde Zensurursula von der Leyen als heisseste Kandidatin gehandelt wurde. Warum, das ist mir persönlich schleierhaft. Vielleicht wird hier aber auch nur nach dem alten Muster verfahren “Die zuerst vorgeschlagenen Kandidaten werden es eh nicht”. In diesem Sinne rollte man erstmal unsinnige und offensichtlich ungeeignete Kandidaten ins Rampenlicht um die Medien zu beschäftigen, derweil man in Ruhe Strippen zu ziehen und am Ende das große Schlimme (Stoiber? Schäuble? Koch) durchsetzen kann.

Heute wird Christian Wulff durch die Medien gereicht. “Christian wer?”, fragen sich auch so etliche Niedersachsen, und das, obwohl Wulff seit 2003 Ministerpräsident des Schafzüchterlandes ist. Wulff verkörpert wie kein anderer den Typus des ewigjungen Schwiegermutterlieblings. Sieht so Mittel aus, redet so mittel, fällt nicht auf – der Mann ist der fleischgewordene Durchschnitt, ein lebendiger Herr-Kaiser-von-der-Frankfurt-Mannheimer, so grau und farblos und langweilig, dass ihn jeder übersieht.

Als er mal vor mir stand um ein Eis zu kaufen*, nahm ich ihn zunächst gar nicht war, weil er vor einem grauen Hintergrund praktisch unsichtbar war, so unauffällig ist er.
Durchschnitt, grau, langweilig – wer könnte besser Deutschland repräsentieren als Christian Wulff?
Naja, der wird´s eh nicht. Und wenn doch, dann nur, weil er den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt. Ein fleischgewordener Kompromiss, der nur gewählt wurde, weil keiner mit ihm Zank hat. Oder sich dran erinnern kann wie er aussieht.

Aber vielleicht sollte man den Bundespräsidenten in einer Direktwahl bestimmen lassen. Wobei jeder jeden vorschlagen kann. Und dann wird Lena Bundespräsidentin. Das wäre doch mal was. Hauptsache nicht Schäuble, oder was die Unionsparteien noch so an ekligen alten Männern im repertoire haben.

* Im Ernst: Seine Bodyguards blieben draußen im Wagen sitzen, er musste los und Eis für alle holen. Vermutlich nehmen ihm die Leibwächter auch sein Milchgeld ab. Wundern würde es mich nicht.

 
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Geschrieben von - 3. Juni 2010 in Berufsleben, Medienschau

 

Bundespräsident von Bloggern demontiert?

“Irrelevant” seien sie, diese komischen Blogs. Und überhaupt, ins Internet kann ja jeder reinschreiben. Das interessiert doch nur eine Handvoll Computeridioten und ist überhaupt nicht wichtig. Diese Denke kann man bei den klassischen Medien und der Politik immer noch vermuten. Tatsächlich haben die Medien den Sprengstoff in Horst Köhlers Afghanistan-Aussage zunächst gar nicht begriffen bzw. nicht thematisiert. Bis die andauernde Erregung in Blogs das Thema auf die Agenda des Spiegel schob. Haben also am Ende Blogger dafür gesorgt, das sich Köhler nun zum Horst macht?
Das Phänomen dieser Themenkarriere dokumentiert Carta in einem Bericht.

 
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Geschrieben von - 1. Juni 2010 in Medienschau

 

Lost Finale

wenn gewisse essentielle Rätsel, auf die ewig Zeit verschwendet wurde, mal eben im Vorbeigehen als Nichtigkeit (“Jakob has a thing for numbers…”) entlarvt werden, dann ist für mich der Bogen zur böswilligen Zuschauerverarsche lange überspannt. Wenn ich das wollte, könnte ich mir auch in der U-Bahn singend mit einem Gummiehuhn auf den Kopf hauen – das würd vermutlich mehr Spaß machen.

Batzman schreibt drüben bei Moviepilot einen sehr schönen Lost-Rant über die mäandernde konzeptionslosigkeit der Serie und ihrer Macher, dem ich mich unbedingt anschliessen kann.
So sehr ich die Serie auch liebe, so sehr ging sie mir auf den Saque. Heute Nacht lief die letzte Folge im US-TV.

Quelle: Joyoftech.com

 
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Geschrieben von - 23. Mai 2010 in Medienschau, TV-Serie

 

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Sprühregen & Auto 2.0

Sieht so aus, als hätte der im Wetterbericht vorhergesagte “bedeckte Himmel mit gelegentlichem Sprühregen” den Nachbarn den Keller unter Wasser gesetzt. Die Scheibenwischer schaffen es auch nur noch auf der schnellsten Stufe. Wusste gar nicht, dass es Sprühregen auch in der Geschmacksrichtung markant gibt.
Meh.

Und auch ansonsten ist die Welt in keinem guten Zustand. Neben dem großen Irrsinn (Ölkatastrophe, Krieg, FDP) wird es auch in Randbereichen immer schlimmer. Aktuell wird zum Beispiel ein Unternehmer in den Medien hochgejazzt, der die Autos, die er in seiner Manufaktur herstellt, von der Internetcrowd designen lässt. Jeder darf mal am Entwurf rumzerren, um am Ende kommt eine Mischung aus Jaguar und Panzer raus, mit 18 Getränkehaltern, einem 3 m Radstand und einem Verbrauch von 200 Galonen auf der Fahrt zum Bäcker. Aber egal, wir ham´s ja. Angucken kann man sich den Irrsinn z.B. hier.

Ich bin ja der Meinung, dass gutes Design diktatorisch geschaffen werden muss, von Einzelpersonen wie dem irren Colani oder verhuschten Jony Ives. Wenn man sowas der Masse überlässt, kommt der kleinste gemeinsame Nenner bei raus, und das ist das schlechteste Ergebnis. So sieht das Open-Source-Auto letztlich auch aus, und schon der Name “Rallye Fighter” zeigt recht eindeutig, wessen Geistes Kind das Ding ist:

Quelle: Gearheads.com

Bei aller Medienjubelei ist die Idee mit dem Auto, dass von einem statistischen Otto-Normalo designt wird, übrigens nicht neu. Sowas kommt dabei heraus:

 

Die Politik kapituliert vor der Lobby der Heroinjunkies

Die Aussage aus der Überschrift steht allen Ernstes zum Jahrestag des erweiterten Suizids in Winnenden in der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel:

Mit einer Vehemenz, die an Heroin-Junkies erinnert, denen gerade die Spritze entzweigebrochen ist, während das Dope über der Kerze brodelt, wurde zum immergleichen Counterstrike ausgeholt: Sind doch bloß Spiele, macht doch jeder, Verbote bringen nichts, Zusammenhang mit erhöhter Gewaltneigung ist nicht einwandfrei nachgewiesen.

Die aggressive Leidenschaft der Killerspiel-Gemeinde überrascht nicht. Denn diese Gemeinde ist groß, gut organisiert und als Lobby fast ebenso stark wie die Pharmaindustrie, die Automobilbranche oder der so genannte militärisch-industrielle Komplex. Seit dem Erfolg der Piratenpartei schließlich und der erfolgreichen Kampagne gegen “Zensursula” von der Leyens Kinderschänder-Webseiten-Sperrungs-Initiative ist klar: Die Politik hat vor dieser Macht kapituliert. Keine geistig-politische Wende wird daran etwas ändern.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Winnenden-Amoklauf;art141,3053761

Der zitierte Artikel, verfasst vom leitenden Redakteur des Meinungsressorts beim Tagesspiegel, geht in diesem Stil weiter.

Ein Pamphlet in seiner reinsten Form. Ein Beitrag auf Stammtischniveau, der gänzlich ohne Fakten auskommt, mit niedrigsten Mitteln auf emotionale Wirkung abzielt und mit einer Argumentation á la “Wer anderer Meinung ist, frisst auch kleine Kinder” schliesst.

Das ist so derb unterste Schublade und billig getrickst, dass ich keine Lust verspüre, den Artikel im Detail auseinander zu pflücken. Muss ich aber auch nicht. Der Autor macht von Anfang an klar wo er steht (was auf einer Meinungseite OK ist) und demontiert sich durch seine Kenntnislosigkeit stante pede selbst. Einfach mal zurücklehnen und mit wachem Hirn lesen.

Was da steht, ist in der Summe so unfassbar dumm, dass man sich wirklich die Frage stellen muss, wie niedrig die Qualitätsstandards im Printjournalismus mittlerweile wohl sind. Ich würde wetten das sogar die, bei Journalisten in der Regel schlecht beleumundeten, Blogger sachlicher und gleichzeitig angemessener mit Themen wie dem erweiterten Suizid von Winnenden umgehen könnten. Vielleicht wäre denen sogar ein relevanter Kommentar eingefallen, etwa zu Mobbing an Schulen, Waffengesetzen oder der Verantwortung der Medien in Bezug auf Nachahmungstäter.

Wenn man nur für 5 Cent nachdenkt, fallen einem gleich mehrere Dinge ein, die sich besser für einen Kommentar eignen. Aber das ist nicht Sinn und Zweck eines Pamphlets, bei dem es per Definition um Herabwürdigung und Unsachlichkeit geht. Bleibt die Frage: Warum zum Teufel soll ich eine Zeitung kaufen, in der unsachliche, polemische und falsche Dinge stehen? Da ist nicht mal das Ressort Meinung eine Entschuldigung.

Der fürchterlich dumme Artikel steht übrigens im starken Kontrast zu den teils wirklich klugen Leserkommentaren darunter.

 
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Geschrieben von - 11. März 2010 in Medienschau

 

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Lumpenproletariat

Ich wundere mich ja immer, was andere Sprachen so an deutschen Begriffen übernehmen. Meistens stolpere ich durch Zufall darüber. Gerade habe ich wieder einen besonders schönen Fund gemacht, bei FSJ.

Der falsche Mr. Jobs schreibt über den MicroSoft-Mitarbeiter, der sagte, man habe sich bei der Entwicklung von Windows 7 von optischen Ideen der, nunja, Apple-Benutzerobflächen, äh, inspirieren lassen. Und alle so: Gähn, denn das MS Apple in Punkto User experience hinterherrennt ist seit en 90ern bekannt. Damals, so wird es kolportiert, schleppte Bill Gates persönlich Macs an und forderte von seinen Entwicklern, dass Windows 95 doch bitte wie das Mac OS sein sollte.

Nunja, das war damals. Vor zwei Tagen gab es aber nun ein offizielles Statement von MicroSoft, in dem man lesen kann, das die Windowsentwickler NIE, unter keinen Umständen, never ever, sich von irgendwem haben, äh, inspirieren lassen. Schon gar nicht von Mac OS.

Genau. Was ist das überhaupt, dieses Mac? Wer Windowsentwickler werden soll darf bestimmt nicht mal wissen, dass andere Betriebssysteme existieren, geschweige denn mal eines gesehen haben. Denn immerhin setzen ja 90% aller Nutzer Windows ein. Und hier steigen wir in den Text von Fake Steve ein:

And then the Borg rolls out this old chestnut: “Over nine out of ten computer users choose Windows.”

Now, come on. Windows is like herpes. Or genital warts. Nobody chooses Windows. People get Windows. It comes preloaded on their crap machine, and they’re stuck with it.

Anyone who actually cares about this stuff goes with us. The rest, who we call the lumpenproletariat, will always use whatever comes cheap or whatever some bozo at the big box store tells them is the best. And as you will recall from reading your Marx, the lumpenproletariat were not worth worrying about.

So, yes, Microsoft, you have more than 90 percent market share. Every blockhead and cheapskate in the world goes with you. Congratulations!

Lumpenproletariat.
In einem englischsprachigen Text.
Großartig.

 
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Geschrieben von - 13. November 2009 in Medienschau

 
 
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