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Archiv der Kategorie: Reisen

Spanien 2013 (3): Valencia

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Im Februar 2013 sind Modnerd und Silencer der Kälte des Winters entflohen. Nach Spanien. Modnerd kennt sich da aus, sein Begleiter kein Stück. Die Mission: Studium von Architektur. Von Barcelona geht es nach Valencia.

“Naja, alles mögliche halt, und da sind halt so Spieße drin und das steht immer oben auf der Bar und dann nimmt man sich da eben so viel man will”, sagt Modnerd, schon leicht ungehalten, weil ich jetzt zum xten Mal nachfrage, was denn bitte eigentlich Tapas sind und warum er ständig nach Spießen guckt. Spanische Essgewohnheiten sind nämlich ganz schön verschieden von unseren. Beispielsweise verhungert man in Spanien um halb Acht am Abend. Auch in großen Städten wie Valencia, wo wir für drei Tage sind. Die Stadt und ich hatten ohnehin einen Start auf dem verkehrten Fuß, mit dem bin ich nämlich in einem Riesenhaufen Hundescheiße ausgerutscht. Nun humpele ich mit meinen kaputten Knien und einem stinkenden Fuß durch Valencia, neben mir ein hungriger Modnerd und um uns rum nur geschlossene Restaurants.

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Als wir endlich eine Kneipe finden, in der es auch was zu essen gibt, bestellt Modnerd sofort Tapas – und lässt sich auch nach mehrfacher Nachfrage der Bedienung, ob er nicht lieber auch was Richtiges essen wolle, nicht davon abhalten. Die Quittung folgt in Form eines Riesentellers voll feinem Schinken. Sonst nichts. Keine Beilage. Nicht mal ein Stück Brot. Und erst recht kein Spieß. Spieße gibt es nicht. Nirgends.

Nach einem vermurksten ersten Abend wird es dann aber schlagartig besser, und Valencia entpuppt sich als der Knaller. Das Wetter ist sonnig und warm, über 20 Grad sind es in der Februarsonne. Diese Region ist mit Sonnenschein ohnehin reich gesegnet. Als wir in unserem Fiat Panda die 350 Kilometer von Barcelona bis hierher zurückgelegt haben, sind wir durch weitläufige Täler gefahren, in denen links und rechts der Strasse Orangen angebaut wurden. Das war das erste Mal, dass ich sowas gesehen habe. In Spanien wachsen Orangen auf Bäumen! Verrückt!

Das es hier des öfteren gutes Wetter gibt, merkt man auch den ausgeblichenen Gebäuden und den fast weißen Steinen von Wegen und Mauern, die wie gebacken aussehen. Im Hochsommer ist es hier bestimmt schwer auszuhalten. Vor Jahren ist Modnerd schon einmal hier gewesen, und bei seiner Rückkehr erzählte er mir von einem ausgetrockneten Flussbett mitten in der Stadt, in der es eine Stadt der Künste gäbe. Vor meinem Inneren Auge sah ich beim Stichwort “Stadt der Künste” eine Kolonie aus bunten Zelten, alten Wohnwagen und bemalten Bussen, vor denen Hippies und Austeigerinnen saßen und töpferten oder malten, um dann Batikhemden und Tonaschenbecher an Touristen zu verhökern. Das wollte ich nicht unbedingt sehen, aber das Flußbett, dass fand ich spannend. Ich hatte dabei so ein echtes Flussbett voller Geröll vor Augen.

Oh, wie falsch ich doch liege. Das wird mit klar, als Modnerd und ich von unserem Designhotel aus eine Strasse hinunter, und als wir nach 5 Minuten um eine Ecke biegen, trifft mich fast der Schlag. Vor mir steht das zweitskurrilste Gebäude, dass ich bislang gesehen habe.

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“DAS”, sagt Modnerd, “ist die Stadt der Künste!”.
Ich bin baff. Vor mir steht dieses unfassbar elegante Gebäude in einer steril-weißen Zukunftslandschaft mit weiten Wasserbecken, Parks und futuristischen Brücken. So sieht das Sternenflottenhauptquartier im 26. Jahrhundert aus – aber doch keine Hippikommune! Nirgendswo Hippies. Oder Batikhemden. Wie falsch ich doch lag. Mit allem. Das erste große, dicke FALSCH prangte über meiner Vorstellung der Stadt der Künste. Das lag natürlich auch an Modnerds Bezeichnung, denn der volle Name ist “Stadt der Künste und der Wissenschaft”, “Ciudad de las Artes y las Ciencias”. Und das ist keine Hippiekommune, sondern ein Science Center.

Naturkundemuseum und Science Center. Das Gebäude ist so dermaßen groß, dass selbst...

Naturkundemuseum und Science Center. Das Gebäude ist so dermaßen groß, dass selbst…

...ein komplettes Flugzeug in einer Ecke nicht weiter auffällt.

…ein komplettes Flugzeug in einer Ecke nicht weiter auffällt.

Der Sage nach befand Anfang der Neunziger die damalige Bürgermeisterin von Valencia, dass die Stadt eine Attraktion bräuchte. Freiwillig kam nämlich kaum ein Tourist nach Valencia. Zu abgelegen, außer Orangen und Sonne gabe es nichts zu sehen, und drum rum befanden sich Konkurrenzstädte wie Barcelona im Norden und die Partyorte an der Küste im Süden, aber nach Valencia wollten die Touristen oder Unternehmen nicht. Nachdem sich die Bürgermeisterin einige Städte in Europa angesehen hatte, beschloss sie, eine runde Größenwahn auszuprobieren. Sie beauftragte einen Architekten von Weltruhm, Modnerds Lieblingsarchitekten Santiago Calatrava, ein Operhaus zu bauen, dass in einer Liga mit Sydney spielen sollte. Und ein Wissenschaftsmuseum, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Und ein Imax-Kino. Und irgendwas für Sport und so, kann man ja immer brauchen. Calatrava selbst ist gebürtiger Valenzianer, sah die Chance hier unsterblich zu werden, und machte sich ans Werk. Die Bürgermeisterin bestellte bei der Architektenlegende Felix Candèla das größte Aquarium Europas. Wenn schon, denn schon. Hatte ja in Bilbao auch geklappt. Dort hatte man sich von Frank Gehry das Guggenheim-Museum hinstellen lassen, und schwupps, kamen aus der ganzen Welt Leute in die spanische Stadt, um das zerknüllt aussehende Gebäude anzuschauen.

Gesägt, tun getan, und eine Milliarde Euro und 15 Jahre später wurde im Jahr 2006 die Stadt der Künste und Wissenschaft feierlich eröffnet. Sie besteht aus dem Opernhaus (Palau de les Arts), einem 3D- und Imax-Kino (L’Hemisfèric), dem eigentlichen Naturkundemuseum mit Science Center (Museo de las Ciencias Príncipe Felipe), dem Aquarium (Oceanográfic) und einem undefinierbaren Mehrzweckbau, den man noch irgendwie als Nachsatz mitten rein gebaut hat. Besichtigen können wir den nicht, das ganze Gebäude hat Mercedes gemietet, um der gelangweilten Weltpresse die 2013er Modelle vorzuführen.

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Staunend gehen wir über das Gelände. Alle Gebäude, Bänke, Mauern und Wasserbecken glitzern in der Morgensonne. Ihre Oberflächen sind nach der traditionellen, spanischen Trencadís
-Technik
gestaltet: Fliesensplitter, keiner größer als ein Daumennagel, sind aneinandergelegt und die Zwischenräume mit Beton versehen worden, und zwar so kunstvoll, dass man sich beim darüberstreichen mit der Hand keine blutigen Finger holt.

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Der exzessive Einsatz von Trencadís erklärt die Keramikindustrie um Valencia. Manche Seitentäler scheinen als Wirtschaft nur die Fleisenherstellung zu kennen. Ein Fliesenwerk reiht sich ans nächste. Vermutlich produzieren die Fliesen, um sie gleich wieder zu zerschlagen und an die Trencadís-Künstler zu verkaufen. Hm.
Ich habe diese Technik schon einmal gesehen: Im dem Tarotgarten von Nikki de Saint Phalle in der Toskana. Auch dort hat mich diese Technik begeistert, aber hier, in dieser Masse, ist es einfach nur unglaublich.

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Geschrieben von - 18. Mai 2013 in Reisen

 

Zwei Wochen

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Nur noch zwei Wochen, und ich komme hier zu nichts. Arbeitstechnisch wollen noch viele lose Enden vertüddelt werden, bevor es in die Abwesenheit geht. Viel zu tun also, genau in der Phase, in der sich natürlich noch Probleme ergeben: Der neue GPS-Logger ist ungenau wie Sau, vermutlich stimmen die Einstellungen nicht. Die Kompressionssäcke sind zu groß geliefert worden. Die Teile für´s Cockpit kommen nicht an Land. Und: Unerwartete Probleme mit den Haltepunkten der Kamera. Wie sich herausstellt, sind ALLE Halterungen die mit der Kamera in einer Motorbike Edition geliefert wurden, im Prinzip komplett untauglich für den Einsatz am Motorrad. Das Problem sind die Vibrationen. Die werden nur durch das Klebepad vermindert, und das reicht nicht – das Bild wackelt und flimmert, dass man da keine zwei Sekunden hingucken kann. Vermutlich erwartet der Kamerahersteller, dass man sich die Kamera ohnehin oben auf den Helm klebt, und damit der Körper des Fahrers die Vibrationen ausgleicht. Aber ich werde AUF KEINEN FALL wie ein Teletubbie durch die Gegend fahren!

Das Vibrationsproblem hatte ich bislang noch nie. Alle anderen Zusatzteile am Mopped, z.B. das Navi, haben Halterungen der Firma Ram Mount. Die halten ALLES aus und sitzen auf massiven Gummikugeln, die schlucken alle Vibrationen weg. Die Lösung ist nun also ein Ram Mount für die Kamera. Dummerweise gibt es für meine Kamera, eine Rollei (bzw. Aee, wird aber von Rollei vertrieben) sowas nicht. Nun, wenn alle Lösungen untauglich sind, muss ich selbst was bauen.

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Also fix einen Ram Mount Arm (12,90 Euro) und eine Kugel (17,80 Euro) bestellt sowie einen Rollei-Fuß (13,90 Euro) und drauf los gebastelt. Leider passen die Teile nicht zueinander, und so sitze ich Abends in meinem Arbeitszimmer, umgeben von haufenweise Kleinteilen, und säge, feile, klebe und drehe die Teile bis am Ende hoffentlich was draus wird. Ich bastele ja eigentlich gerne, aber das hier nervt gerade und vor allem: Es geht ins Geld!

Ähnliche Vibrationsprobleme hat auch die Halterung für das kleine ZUsatzinstrument. Hält eigentlich, vibriert sich aber kaputt. Auch da muss ich nochmal ran, aber immerhin ist das Ding mit Teilen aus dem Ein-Euro-Markt gebastelt.

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Diese Woche habe ich es immerhin geschafft die Protektoren anzubringen. Das sind Schalen aus Carbonfaser, verstärkt mit Aluplatten, die mit Temperaturbeständigen Silikonkleber auf die Motordeckel von Lichtmaschine, Zündgeber und Kupplung geklebt werden. Bei der Umfrage im ZZR-Forum hat sich nämlich rausgestellt, dass das der größte Showstopper überhaupt ist.

Es reicht oft schon, wenn die Maschine im Stand umfällt und ungünstig aufkommt, dann platzt einer der weit herausstehenden Deckel – und damit ist die Tour SOFORT vorbei. Das mit das im letzten Jahr nicht passiert ist, habe ich den Crashpads zu verdanken, auf denen die Maschine gelandet ist. Die Protektoren versprechen nun noch mehr Sicherheit und sollten auch dann halten, wenn das Chrashpad bei einem Sturz während der Fahrt abreisst. Der Motor ist nun quasi gepanzert. Hergestellt wurden die Protektoren übrigens extra für mich, von einem Ein-Mann-Handwerksbetrieb in Bayreuth. Deshalb sind sie auch silbern, und nicht -wie meistens bei Carbon – schwarz. Ich will nicht sportlichkeit demonstrieren, ich will Schutz.

Kupplung und Zündgeberdeckel vorher....

Kupplung und Zündgeberdeckel vorher….

...und mit aufgeklebten Protektoren.

…und mit aufgeklebten Protektoren.

Kupplungsdeckel nackt...

Kupplungsdeckel nackt…

Der Hochtemperaturbeständige Klebstoff wird aufgetragen. Etwas mehr als die Anleitung sagt, weil das Innere der Protektoren sehr uneben ist.

Der hochtemperaturbeständige Klebstoff wird aufgetragen. Etwas mehr als die Anleitung sagt, weil das Innere der Protektoren sehr uneben ist.

...und gepanzert. Gut zu sehen: Die Aluplatte in der Schale aus Carbon.

…und gepanzert. Gut zu sehen: Die Aluplatte in der Schale aus Carbon.

Und sonst so? Immerhin vier Mal in den letzten sieben Tagen im aktuellen Sportstudio gewesen. Da ich in der letzten Woche auch vier Tage auf Dienstreise war, ist das ganz ordentlich. Das ich trotz des fetten Essens dort jetzt 4,9 der überflüssigen 5 Kilo los bin, ist ebenfalls nett.

Zusammengefasst:
- Die Bestätigung der anderen, als problematisch angesehenen, Hosts ist da.
- Panzerung ist angebaut
- Zum Sprachenlernen nicht eine Minute gekommen
- Viele Bastelarbeiten am Start

Das steht an:
- ASFINAG-Videomautkarte buchen
- Halterung für die neuen Instrumente erfinden und bauen
- Navi programmieren.

 
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Geschrieben von - 17. Mai 2013 in Reisen

 

Spanien 2013 (2): Barcelona

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Im Februar 2013 sind Modnerd und Silencer der Kälte des Winters entflohen. Nach Spanien. Modnerd kennt sich da aus, sein Begleiter kein Stück. Die Mission: Studium von Architektur. Von Girona geht es nach Barcelona. Ohne Wiesel.

Barcelona! Beeindruckende Weltstadt, Hauptstadt Kataloniens. 1,6 Millionen Menschen leben in der Stadt, die nach Paris die am dichtesten besiedelte Stadt der EU ist. Im weiteren Stadtgebiet leben mehr als 3 Millionen, in der Metropolregion fast 5 Millionen Menschen. Dennoch hinterlässt Barcelona den Charme einer mittelgroßen, dafür extrem abwechselungsreichen Stadt.

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Das Gefühl, nicht in einer Millionenmetropole zu sein, kommt vor allem daher, das die Straßen, Plätze und Grünanlagen überaus großzügig angelegt sind. Alles atmet Raum, nirgends wirkt es überfüllt. Das liegt aber auch daran, dass wir Februar haben, und außer Modnerd und mir kaum Touristen in der Stadt sind. Es ist sonnig, und in der Sonne warm, aber sobald man in den Schatten kommt, merkt man recht deutlich, dass gerade mal 10 Grad sind.

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Das Gefühl der Abwechselung kommt durch die vielen Kontraste, die man hier erleben kann. Barcelona schmiegt sich in zwischen Meer und Berge in ein Tal mit mehreren Ausläufern. Hier Wasser, dort Felsen, dazwischen eine verwinkelte Altstadt, das Barrì Gotic, und im Gegensatz dazu der streng symetrische Stadteil L´Eixample mit seinen quadratischen, an den Ecken abgerundeten Ecken Wohnblocks, den Xamfrans.

Auf der Satellitenaufnahme gut zu sehen: Oben das streng nach Plan gebaute, symetrische L`Eixample mit seinen achteckigen Blocks, unten die verwinkelte Altstadt, das Barrí Gotic.

Auf der Satellitenaufnahme gut zu sehen: Oben das streng nach Plan gebaute, symetrische L`Eixample mit seinen achteckigen Blocks, unten die verwinkelte Altsatdt, das Barrí Gotic.

Die Altstadt von Barcelona besteht aus verwinkelten Gassen mit kleinen Geschäften, großen Markthallen und jeder Menge Streetart. Die Stadt fühlt sich jung an, was sicher auch durch den lockeren Umgang mit Kunst kommt.

Und an jeder Ecke: Streetart.

Und an jeder Ecke: Streetart.

Jugenstil wohin man blickt, auch heute noch gerne als Gestaltungsrahmen verwendet.

Jugenstil wohin man blickt, auch heute noch gerne als Gestaltungsrahmen verwendet.

Und noch mehr Streetart

Und noch mehr Streetart

Kathedrale.

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OFFENE DROGENGESCHÄFTE!

OFFENE DROGENGESCHÄFTE!

Markthalle in der Altstadt

Markthalle in der Altstadt

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Angenehm verrückt: Es ist Karneval, und die Verkäufer an den Ständen haben sich ein wenig verkleidet.

Angenehm verrückt: Es ist Karneval, und die Verkäufen an den Ständen haben sich verkleidet.

In L´Eixample gibt es auch einige Bauwerke des Modernisme zu besichtigen. Der Modernisme ist, einfach gesagt, spanischer Jugendstil. Jugendstil hat viele Namen: Art Nouveau (Frankreich), Modern Style (England), Stile Floreale (Italien), aber nur hier, in Ktalonien, heisst er Modernisme. Der Stil kam um die Jahrhundertwende auf, und sein bedeutenster Vertreter war zweifellos Antoni Gaudì.

Barcelona atmet Jugendstil aus jeder Pore. Auch die Steine in der Fußgängerzone weisen ein Muster Gaudís auf.

Barcelona atmet Jugendstil aus jeder Pore. Auch die Steine in der Fußgängerzone weisen ein Muster Gaudís auf.

Der Mann war genauso Genie wie Visionär. Dabei war der 1852 geborene Katalane in der Schule eine faule Socke. Er hielt sich nicht mit dem Anfertigen von großen Plänen oder Berechnungen auf, sondern bastelte lieber Statikmodelle aus Bindfäden oder malte Fassadendetails morgens auf, damit die Handwerker wussten, was sie den Tag über machen sollten. Als er sein Diplom von Präsidenten der Architekturschule erhielt, soll der gesagt haben: „Qui sap si hem donat el diploma a un boig o a un geni: el temps ens ho dirà.“ („Wer weiß, ob wir den Titel einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – nur die Zeit wird es uns sagen.) Um ehrlich zu sein: Die Zeit sagte es nicht. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Gaudí ein Genie oder ein Irrer war. Vermtulich beides, zu gleichen Teilen.

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Gaudìs bekannestes Bauwerk ist natürlich die Temple Expiatori de la Sagrada Família oder kurz Sagrada Familia, die verrückte Kirche, an der seit 1882 herumgebaut wird, und die vielleicht 2026 fertig sein wird. Die Kirche stammt ursprünglich nicht von Gaudì, aber nach dem Tod des ursprünglichen Architekten übernahm der Katalane und plante ein einzigartiges Kunstwerk, das eine Vermischung von klassischen Bauweisen, Modernisme und Elementen der Moderne werden sollte. Viel davon ist bereits fertig, zum Beispiel die prächtigen Fassaden, die ganze Geschichten erzählen und mit ihrem Detailreichtum das Auge durcheinander bringen.

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Geschrieben von - 11. Mai 2013 in Reisen

 

Drei Wochen

Neue Reifen: 230,- Euro
Reifenmontage: 75,-
Inspektion, Ölwechsel, Bremsflüssigkeitswechsel: 190,- Euro
Neue Bremsbeläge vorne: 140,- Euro
Hauptuntersuchung: 63,- Euro

Das sichere Gefühl, mit einem im perfektem Zustand befindlichen Motorrad zu fahren: UNBEZAHLBAR.

So könnte man das Hauptergebnis der letzten Woche zusammenfassen.

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Die Maschine hat wieder für zwei Jahre die Plakette. Die Bremsen sind statt auf 30 wieder auf 100 Prozent, und die neuen Reifen sind rund und nicht im Querschnitt eckig gefahren, wie die alten. Obwohl ich den alten Angel ST wirklich Respekt zollen muss. 10.000 Kilometer hatten die jetzt drauf, und waren noch lange nicht am Ende des Lebens angelangt. Nur waren sie halt in der Mitte etwas platt gefahren, was in Kurven keinen Spass macht, wenn man die Karre quasi über die Kante wuchten muss. Und DIE LANGE REISE ist LANG, das wollte ich mit den alten Reifen dann doch nicht machen. Reifen und Bremsen sind wichtig.

Gute Versorgung ist auch wichtig. Vor allem mit Ersatzteilen, wenn man wer-weiß-wo sitzt und eine Panne hat. Sicher, wenn einem nun ein Kolben um die Ohren fliegt, hilft das beste Supportkonzept nichts. Wenn es einen Motorschaden oder einen schlimmen Unfall gibt, ist die Fahrt natürlich beendet. Aber es gibt gewisse Dinge, auf die kann ich mich vorbereiten und es gibt Fälle, für die kann ich vorsorgen.

Über den Winter habe ich ein wenig mit den lieben Leuten im ZZR-Forum gearbeitet, um typische Schwachstellen unseres Motorrads zu finden. Die Ergebnisse einer kleinen Umfrage zum Thema “Was ist Euch passiert bei Unfällen mit geringer/keiner Geschwindigkeit” waren recht schnell sehr eindeutig. Es gibt verschiedene “Show Stopper”, relativ kleine Ursachen mit so großer Wirkung, dass eine Weiterfahrt sofort unmöglich wird. Ein Beispiel: Manchmal reicht es schon, wenn die Maschine im Stand umfällt, und eine der Fußrastenhalterungen abbricht. In dem Moment ist alles vorbei. Game Over, Tour ist zu Ende.

Aus diesem Grund habe ich mir ein kleines Ersatzteillager zugelegt. Beide Fußrasten, die wichtigsten Bowdenzüge, Deckel für Lichtmaschine und Zündgeber, ein Lichtmaschinenregler, weil der gerne bei mediterranen Temperaturen den Geist aufgibt, usw.
Alles für recht kleines Geld über den Winter zusammengekauft. Einen Teil der Sachen werde ich mitnehmen – ein Bowdenzug ist klein und nimmt nicht viel Platz weg, und bei 135 Litern Frachtvolumen habe ich VIEL Platz. Andere Teile werde ich zu Hause einlagern, versendebereit verpackt. Wenn ich die tatsächlich brauchen sollte, wird ein helfender Engel die fertigen Pakete einem Kurier in die Hand drücken, der die innerhalb von 24 Stunden an jeden Punkt Europas ausliefert.

Außerdem habe ich in jedem Land mindestens einen “Fixer”, einheimische Freundinnen und Freunde und Organisationsgenies, an den ich mich im Notfall wenden kann und die dolmetschen, Sachen besorgen und einfach Dinge “fixen” können. Und natürlich habe ich eine Liste aller Kawasaki-Werkstätten auf der Route dabei. Soweit das neue Supportkonzept. Ich hoffe, ich werde dieses Fallback nie brauchen.

Klingt alles übertrieben? Kann sein. Immerhin bin ich nicht in Afrika unterwegs oder der Mongolei oder an sonst irgendwelchen Orten fernab der Zivilisation. Ich bin in Europa, wo alles in kurzer Zeit machbar sein sollte. Theoretisch. Aber auch mitten in unserem Kontinent gibt es so abgelegene Orte. Und hey, manche Leute fahren schon bei Touren, die halb so lang sind wie die LANGE REISE nur mit Versorgungsfahrzeug. Echt. Die fahren dann in einer Gruppe von Motorrädern, und hinten dran ein Bus mit Teilen, Werkzeug und Gepäck. Ich habe kein Versorgungsfahrzeug, und ich bin allein unterwegs. Diese Vorbereitung gibt mir die Sicherheit zu Wissen, was in Notsituationen zu tun ist – und nicht kopflos in der Luft zu hängen. Und hey, ich schreibe über die Vorbereitung ja auch, damit sichtbar wird, wieviel Gedanken, Planung und Mühe in die Vorbereitung gesteckt wird.

Und sonst so? Sport, immerhin vier Mal in den letzten sieben Tagen. Aber mit ein wenig mehr Bedacht, der Wirbel im Rücken schmerzt immer noch. Netter Nebeneffekt: 4,1 der fünf überflüssigen Kilos sind weg, jetzt passe ich wieder in die guten Anzüge, ohne die Luft anhalten zu müssen. Das ist gut. Ob es schon reicht, um 250 Kilogramm hochzustemmen? Wer weiß. Ausprobieren tue ich das vorher nicht.

Zusammengefasst:
- Neue Reifen sind drauf
- Bremsbeläge sind erneuert
- Öl und Bremsflüssigkeit sind erneuert
- Automatisches Kettensschmiersystem ist aufgefüllt
- Hauptuntersuchung ist gemacht
- Die Tagestouren stehen alle fest und MAN, wird es viel zu sehen geben
- Parkplätze in fast allen großen Städten sind gefunden
- Der Haupt-Host hat die Reservierung bestätigt mit den Worten, “Don´t you worry, how dare you! OF COURSE YOUR ROOM IST WAITING FOR YOU!!!!”
- Kompressionssäcke bestellt
- Reiseapotheke aufgefrischt
- Bordwerkzeug gecheckt

Das steht an:
- Panzerung anbauen
- Halterung für die neuen Instrumente erfinden und bauen
- Neue Kamera testen
- andere Hosts anschreiben
- Navi programmieren. Das wird dauern, denn es geht an abgelegen Orte, die man echt über Koordinaten eingeben muss.

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Geschrieben von - 10. Mai 2013 in Reisen

 

Spanien 2013 (1): Girona

“Ich glaube, die ganzen Reiseführer hätten wir uns sparen können. Das Bild im Klo zeigt ALLES was man in hier sehen muss.” “Sag mal, wieviel hast Du von dem Wein schon getrunken?!” “Nein, im Ernst! Apropos Wein, gib mal den Korkenzieher.”

WLAN und Rioja, was für ein schöner Ausklang eines langen Tages.

30 Minuten vorher:
Da liegt es, das Designhotel Vincci Bit, östlich des Zentrums von Barcelona. Ich bin froh ins Warme zu kommen. Spanien hin oder her, 4 Grad sind 4 Grad und nicht besonders warm. Immerhin zieht es hier aber nicht so schlimm wie vorhin in Girona, und ausserdem habe ich jetzt endlich meine Mütze auf.

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Zwei Stunden vorher:
“Nein, hier gibt es keine Korkenzieher. Da müssen Sie in den Chinaladen die Strasse runter an der Ecke”, radebrecht die einzige englischsprechende Verkäuferin in dem kleinen Supermarkt. Ich seufze. Also wieder zurücklaufen. Durch den eisekalten Wind. Und das, wo mir doch jetzt schon die Ohren abfallen. Ich beglückwünsche mich zum wiederholten Male, vor der Abreise als letztes noch an eine Mütze gedacht zu haben – und ärgere mich gleichzeitig darüber, dass sich die jetzt im Auto befindet und nicht auf meinem Kopf, wo sie hingehört. Außerdem wundere ich mich: Komische Supermärkte haben die hier. Aber wenigstens haben wir jetzt eine Flasche guten Rioja und etwas zu Essen im Gepäck, das kleine Sandwich von vorhin hält nicht ewig.

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Zwei Stunden vorher:
Der erste Weg führt vom Flughafen ins angrenzende Girona. Das Pandababy lassen wir am Rand der Stadt zurück und laufen zu Fuß dorthin, wo Modnerd die Altstadt vermutet. Im Dunkel durchstreifen wir die Gassen, die sich mal steil den Berg hinaufwinden und mal abrupt in Sackgassen enden.

An dieser Treppe wurde eine Szene für “Das Parfum” gedreht:

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Zwischendurch stoßen wir immer wieder auf hell angestrahlte Gebäude und Denkmäler. Interessant ist übrigens, dass jede Strassenlampe, jede Ampel und jede kleine Laterne mit LED-Lampen versehen ist.

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Eine kleine Bäckerei versorgt uns mit leckeren Sandwiches, dass erste, was Modnerd und ich an diesem Tag zu uns nehmen. Der kleine Snack in Bremen von heute Mittag zählte nicht. Mittag? Das scheint schon Ewigkeiten her zu sein. So ist das, wenn man viel zu gucken hat.

Eine Stunde vorher:
Schließlich entdecken wir den Parkplatz, den die Spanier in einem Parkhaus versteckt haben, und übernehmen einen Fiat Panda, oh Wunder, was auch sonst? Egal. Das Ding ist klein, übersichtlich und – egal.

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20 Minuten vorher:
“Und wenn wir da hinten mal schauen?”, ich gucke Modnerd fragend an und holpere dann mit meinem Rollköfferchen über den Kreisel mitten im verlassenen Gewerbegebiet. Irgendwo hier soll der Parkplatz für Mietwagen sein. Um uns herum gibt es Schilder für alle möglichen nationalen Mietwagenverleiher, aber nicht für Hertz oder Europcar. Mist. Kaum in Spanien, schon verlaufen.

15 Minuten vorher:
Und plötzlich stehen wir auf dem Rollfeld, mitten in den Bergen, neben dem Ryanair-Flieger, und ich kann es gar nicht fassen, dass wir schon in Spanien sind.

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Leider ist es schon spät am Nachmittag, und so schnell wie die Sonne hinter den Bergen versinkt, so schnell kommt die Februarkälte herangekrochen. Nicht die spitze Kälte mit Minusgraden, wie gerade in Deutschland – nein, die Art von Kälte die man bekommt, wenn man knapp über Null mit einen ordentlichen Wind zusammenmixt. Feucht und durchdringend. Schnell suchen wir im Flughafengebäude den Mietwagenschalter auf, erledigen die Formalitäten und mit einem freundlichen “Hier raus, Strasse runter und da hinten links”, verabschiedet uns die freundliche Autoverleiherin.
Das Laufen tut gut, nach der Tortour eben.

Zwei Stunden vorher:
“Und das passt?” “Ja, sicher, jetzt pack Deinen Koffer schon unter den Vordersitz!” “Und meine Füße?” “Wir fliegen jetzt, da brauchst Du keine Füße!” – damit habe ich wieder was von Vielflieger Modnerd gelernt. Ich biege und dehne meine Füße ebenso kunstvoll wie schmerzhaft um den Koffer, den Vordersitz und die Seitenwand des Flugzeugs herum. Alles andere als bequem, aber für zwei Stunden wird es schon gehen. Mal abgesehen davon, dass meine Extremitäten sowieso immer noch total durchgefroren sind.

Zum wiederholten Mal lobe ich meine In-Ohr-Kopfhörer. Dank denen muss ich die Kindermeute um mich herum nicht hören und kann mich ganz auf den Flug konzentrieren. In wenigen Stunden werden wir in der Wärme sein, aber jetzt und hier, im grauen und kalten Bremen, werden gerade die Tragflächen enteist.

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Nach dem Start und dem Durchstoßen der Wolkendecke geht urplötzlich die Sonne auf. Sonne! So viel und so intensiv, wie ich sie seit geschlagenen vier Monaten nicht mehr gesehen habe! Wenn nur das Wiesel eben nicht verloren gegangen wäre und das jetzt sehen könnte!

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Eine Stunde vorher:
Nach einem kurzen Aufenthalt im unglaublich schlecht organisierten McDonalds am Flughafen Bremen sind Modnerd und ich in die Wartehalle des Ryanair-Terminals umgezogen.

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Dort hat sich das Wiesel aus der Reisetasche gewieselt und erkundet erst die Wartehalle, dann knabbert es den Reisekiosk an, und schließlich ist es ganz außer Sichtweite. Bis zum Abflug taucht es auch nicht mehr auf. Das beunruhigt mich nicht wirklich, das Wiesel kann auf sich selbst aufpassen. Und überhaupt geht mir das Wiesel gerade ein wenig auf die Nerven, denn es ist übellaunig. Und ich weiß auch wieso.

Zwei Stunden vorher:
Das Wiesel und ich haben uns am Bahnhof mit Modnerd getroffen, und als der ICE einfährt, ist die Freude groß: Die Waggons sind alle leer! Keine nervigen Mitreisenden! Dann wird der Grund dafür offenbar: Der Zug wird durchaus benutzt, weil aber in der Hälfte der Wagen die Heizung ausgefallen ist, haben sich die Reisenden in den verbliebenen Waggons gepfercht. Als wie einen von denen zu betreten versuchen, sehen wie uns einer Menge über- und untereinandergepackte Augenpaare gegenüber, die uns kollektiv einen Blick zuwerfen der sagt: “Oh BITTE! Nicht NOCH mehr Leute hier drinnen!” Auf Gedränge haben wir aber alle Drei keine Lust, also behalten Modnerd und ich unsere dicken Winterjacken an und belegen gleich mehrere Sitze in einem der leeren Wagen – WEIL WIR ES KÖNNEN! Das Wiesel bekommt spontan schlechte Laune: Es hatte sich auf Wärme und Sonne und interessante Leute gefreut, und nun sitzen wir hier in einem leeren Bahnwaggon bei Temperaturen knapp über Null Grad. Das kann schon mal auf die Laune schlagen.

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Eine Stunde vorher:
Heute ist der 08. Februar! Heute soll es los gehen! Also springen das Wiesel und ich in den Zauberbus, der bei uns in Mumpfelhausen vor der Haustür abfährt, und nach nur zwei Mal Umsteigen werden wir in Spanien sein!

Vier Monate vorher:
“Es wird das letzte Mal sein. Abschiedstournee, quasi.” Modnerd guckt ernst. “Danach bin ich mit Spanien durch und fahre woanders hin. Wenn ich Dir da was zeigen soll, dann ist das jetzt die letzte Gelegenheit.”

Es ist September 2012, und schnell stehen zwei Dinge fest: 1. Modnerd und ich werden noch einmal gemeinsam auf Tour gehen und 2. wird das im Februar 2013 passieren. Dann, wenn der Winter in Deutschland noch einmal eine ordentliche Schippe drauflegt, wollen wir der Kälte entfliehen und der Winterdepression durch einen vorgezogenen Frühling ein Schnippchen schlagen. Die Mission: Architektur bestaunen und Spanien kennen lernen. Und diese Hippies, die mir seit Jahren nicht aus dem Kopf gehen.

Zwei Jahre vorher:
“Da ist es echt total irre! Was die Spanier da für abgefahrenes Zeug hinstellen, so architekturmäßig, dass musst Du sehen! Und dann gibt es da ein ausgetrocknetes Flussbett, da haben sie eine Stadt der Künstler hingestellt! Das muss man sehen, so lange es das noch gibt!”
Modnerd ist offensichtlich begeistert. Verständlich. Vor meinem inneren Auge kann ich die Stadt der Künste schon sehen: So eine Hippiekommune mitten im Fluß, die töpfernd vor bunten Zelten sitzt und in ihrer selbsternannten “Stadt der Künste” Batiktücher und ähnlichen Tand an Touristen verkauften. Ich war fast ein wenig neidisch auf die Reise, von der Modnerd gerade zurückgekehrt war.

Heute:
“Du hast recht, da ist alles drauf, was man sehen muss.Und wir werden uns ALLES angucken!”

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Geschrieben von - 4. Mai 2013 in Reisen

 

Vier Wochen

Vollmond über den blühenden Kirschbäumen auf dem Campus der Uni Göttingen

Vollmond, grillende Studis und Kirschblüten auf dem Campus der Uni Göttingen

Es kommt der Moment vor einer Reise, ganz egal ob die kurz oder lang ist, an dem ich der Verzweifelung nahe bin. Ich habe über mögliche Ziele gelesen, habe im Internet recherchiert, Bilder angesehen, auf Youtube herumgestochert. Am Ende habe ich viel zusammenhangloses Zeug im Kopf, alle Orte einer Region scheinen sich zu ähneln und verschwimmen vor meinem inneren Auge zu einem merkwürdigen Brei, in dem nichts mehr wichtig ist und aus dem nichts mehr wirklich heraussticht. Was mich aktuell wirklich verzweifeln liess: Ich fand die Geschichten nicht. Geschichten machen historische Begebenheiten, Orte und Jahreszahlen für mich erst greifbar. Angenommen, ein Stadtführer erzählt mir von zig Leuten die alle Friedrich oder Wilhelm hießen und rasselt dabei Jahreszahlen runter – dann gehen die links rein und rechts wieder raus. Wenn Aber Anekdoten und Geschichten damit verbunden sind, DANN speichert mein Hirn das ab. Erst dadurch wird Geschichte für mich interessant: Durch Geschichten.

Bei der Vorbereitung auf DIE LANGE REISE habe ich nun ein halbes Dutzend Reiseführer, drei Bildbände, ein Dutzend Zeitschriften gelesen, Karten gewälzt und unzählige Wikipedia-Artikel studiert. Nichts. Keine interessante Geschichte lies sich blicken, stattdessen bewegte sich der Füllstand meines Hirns langsam auf “Übervoll”, aber mit unnützem Kram, einem Brei ohne Zusammenhalt.

Dann kam er vorgestern Abend plötzlich doch noch, endlich, der eine Hinweis, der sich nach genug Rumribbelei als roter Faden erwies. Der rote Faden verband plötzlich unterschiedlichste Elemente miteinander. Über geografische Grenzen und die Jahrhunderte hinweg machte er Dinge sichtbar und greifbar. Die Puzzlestücke fielen an Ihren Platz. Als ich den Faden sah, kamen sie, die Geschichten. Wie aus dem Nichts liessen sie sich plötzlich an jeder Ecke blicken. Plötzlich waren die Geschichten und Menschen da, und mit ihnen die Ziele, die Höhlenwege, der Garten der Monster oder das Naturphänomen mit Zeitschaltuhr.
Jetzt habe ich meine Geschichten, zumindest die, die Stationen auf der Reiseroute ausmachen. Andere Geschichten werde ich auf dem Weg finden – oder sie mich.

***

Technisch lässt sich gerade nicht viel machen. Das Motorrad bekommt in diesen Minuten (hoffentlich) neue Reifen, obwohl die Werkstatt unfähig und unwillig ist Termine zu machen. In zwei Werktagen kommt dann endlich der Werkstattcheck, die neuen Bremsen und -vor allem!- die Hauptuntersuchung. Endlich. Ich habe keinen Zweifel, dass das Motorrad – trotzdem es mittlerweile 10 Jahre alt ist – problemlos durchkommt. Die Maschine ist heute in einem besseren Zustand als an dem Tag, an dem sie das Werk in Japan verlasen hat. Aber NACH der HU kann ich endlich anfangen die neuen Teile anzubauen, die man normalerweise so nicht an einem Motorrad findet. Die sind zwar allesamt nicht eintragungspflichtig, aber trotzdem will ich nicht, dass der TÜV sich dafür zu sehr interessiert.

Und sonst so? Bin ich zu nichts gekommen. Immerhin an fünf der letzten sieben Tage Sport gemacht, wieder mit kleinen Steigerungen. Mittlerweile habe ich Schwielen an den Händen vom Rudern, ein Wirbel im Rücken tut weh und die Knie schmerzen. Sichere Zeichen, dass ich einen Gang zurückschalten soll. Dann mache ich das auch. Fitter werden gut und schön, aber kaputt muss ich mich nicht machen.

Zusammengefasst:
- Reiseplanung: Geschichten und Ziele gefunden!
- Sport: Ja, fast jeden Tag.
- Sprache: Ja, auch.
- Neuen Logger getestet
- Support und Backup inkl. Kurierdienst ist komplett
- Reifen abgeschmirgelt und aufgezogen
- SIM-Karten für´s Ausland besorgt bzw. reaktiviert

Das steht an:
- Die Hosts, die nicht über Booking gebucht sind, nochmal anschreiben und versichern, dass Reservierung steht.
- Hauptuntersuchung
- Inspektion
- Bremsenerneuerung
- Die neuen Teile anbauen
- Reifen einfahren

 
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Geschrieben von - 3. Mai 2013 in Motorrad, Reisen

 

Fünf Wochen

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Yeah, am vergangenen Wochenende die erste, längere Ausfahrt. Großer Spass, alles lief rund und fast problemlos. Erste Schmerzen im rechten Handgelenk nach 200 Kilometern zeigen jedoch, dass da noch viel Training, vor allem zum Muskelaufbau, nötig ist. Nichtsdestotrotz war die Fahrt super, und da in der Woche die Kamerahalterung für den Lenker geliefert wurde, konnte ich gleich mal ausprobieren wie es ist, während der Fahrt Fotos zu machen. Oder zu Filmen. Wobei mir bei letzterem schlecht wird, wenn ich mir das zu Hause am Monitor angucke. Keine Ahnung warum, vielleicht, weil die Aufzeichnung viel schneller zu sein scheint als das Motorrad in der Realität. Würgs.

Außerdem habe ich erste Berg- und Bremsübungen gemacht. Wissen schon, der Superalbtraum eines jeden Motorradfahrers: An einer Steigung in einer Kehre zu langsam werden, umfallen und den Berg runterkollern. Dem kann man mit Stützgas entgegenwirken, dem gleichzeitigen gasgeben-und-bremsen. Und Bremsen am Berg will auch geübt sein. Das habe ich jetzt mal mit Vergnügen gemacht, denn auf Materialverschleiß muss ich gerade nicht achten – sowohl Bremsen als auch Reifen werden in den nächsten zwei Wochen ohnehin komplett ausgetauscht.

In der vergangenen Woche hat der Postbote noch einmal einen ordentlichen Schwung Technikgedöns (s. Bild) rangeschleppt. Der ganze HD-Kram verbraucht viel Speicherplatz, so dass das Motorrad jetzt eine Festplatte verpasst bekommt. Und irgendwie habe ich mich spontan in einen neuen GPS-Logger verliebt. Der wird mit einem Handy-Akku von Nokia betrieben und hält unfassbare 30 Stunden – ein Riesenunterschied zu meinem jetzigen Logger, der zwar super ist, aber mit zwei Mignonakkus max. 8 Stunden hält. Wenn ihm dann der Strom ausgeht, vergisst er einfach alles. Das hieß für mich auf Reisen immer: Restlaufzeit merken, immer wieder auf die Uhr gucken, rechtzeitg anhalten und Batterien wechseln. Und immer genug Batterien mitschleppen. Und ein Ladegerät. Das ist nun zum Glück vorbei. Nokia-Akkus sind super. Nicht umsonst ist der Tesla, der Elektro-Sportwagen, vollgestopft mit Handy-Akkus. Sollte mir mal der Saft ausgehen, klaue ich mir einen Akku aus einem Tesla.

Geistig bin ich schon da, wo der Logger und ich erst in fünf Wochen sind. Versunken in Bildbänden, Reiseführern und Geschichtsbüchern ich nach Orten mit spannenden Geschichten.

Und sonst so? Fitnessstudio, sechs Mal in den vergangenen Tagen. DAS ist Selbstdisziplin, my Ass. Jeden Abend mindestens eine Stunde, mit verschiedenen Übungen: Gewichte, Rudern, Radfahren. Ob das was bringt? Nun, zum einen fühle ich mich schon mal besser, das ist ja auch schon ein Effekt. Zum anderen merke ich, wie der Körper langsam auf die Bewegung reagiert. Als ich vor 4 Wochen mit dem Sport angefangen habe, habe ich in 20 Minuten Radfahren im “Random Mountain-Programm” knapp 9 Kilometer geschafft, sind es jetzt 12,4. Ein kleiner, aber sichtbarer Erfolg, dass die Schufterei zumindest ein Bißchen was bringt. Und diese Bewegung nach einem Bürotag gefällt mir wirklich. Netter Nebeneffekt: 3,6 der fünf überflüssigen Kilos sind weg.

Nur das Sprachenlernen, das habe ich wieder nicht ganz so regelmäßig gemacht wie ich wollte. Also, eigentlich gar nicht. Außer den Hausaufgaben für die VHS. Ach.

Zusammengefasst:
- Neue Planungssoftware getestet: “Tyre” gefällt mir.
- Die komplizierte Navigationsroute für Hochebene ist fertig
- Reiseplanung: Details für die Tage 18 bis 23 fehlen immer noch
- Sport: Ja, fast jeden Tag.
- Sprache: Hmpf. Das schlechte Gewissen.
- Halterungen für HD-System sind angebracht und schon mal ausprobiert
- Neue Frontscheibe ist versiegelt
- Neuen Logger gekauft
- Dichtungen für Lima-/Zündgeberdeckel bestellt
- Festplatte angeschafft und ausprobiert

Das steht an:
- Ersatzteilbestand sichten und gucken was mitkommt
- Reifen abschmirgeln und aufziehen lassen
- Die Hosts, die nicht über Booking gebucht sind, nochmal anschreiben und versichern, dass Reservierung steht.
- Weiter planen
- Wieder Routine im Fahren bekommen
- HD-System und Logger weiter testen
- Kurierdienst suchen

 
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Geschrieben von - 26. April 2013 in Motorrad, Reisen

 

Steinhuder Meer

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Am vergangenen Wochenende saß das Frühlingswiesel in seinem Lieblingsbaum und konzentrierte sich auf´s Frühlingsmachen, während ich an der Kawsaki rumschraubte. Irgendwann stand eine Testfahrt an. Aber wohin?

Ich überlegte wohin ich mal fahren könnte, und schließlich fiel mir das Steinhuder Meer ein. Ein Meer, 30 Kilometer nordöstlich von Hannover! Ich hatte schon viel davon gehört, war aber noch nie dort. Allein der Name brachte etwas in mir zum klingen. Steinhuder Meer, das machte sofort wildromantische Bilder in meinem Kopf, von Fischerkuttern, Badebetrieb und irgendwie auch Nordsee. Also pflückte ich das Wiesel aus seinem Baum, packte es in seine neu ausgestattetet Wiesellounge im Heck des Motorrads und gab der ZZR die Sporen.

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Zwei Stunden und 160 Kilometer später parkten wir am Wasser. Das Wiesel liess sich von mir im Helm durch die Gegend tragen und wir bestaunten zunächst die pitoresk dahindümpelnden Boote.

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Im Steinhuder Meer gibt es eine Badeinsel, die über einen Steg mit dem Festland verbunden ist. Die Badeinsel selbst ist winzig, in knapp fünf Minuten ist man einmal am Badestrand mit dem weißen Sand, dem kleinen Park und dem großen Spielplatz gewesen.

Dem Wiesel gefiel es hier, es hielt seine Nase in den kühlen Wind…

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…und fand auf dem Spielplatz einen neuen Freund:

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Wenn man nicht so sehr auf Spielplätze steht, wird man allerdings enttäuscht sein. Das Steinhuder Meer ist -seinem großen Namen zum Trotz- wenig mehr als ein Teich. Mit 29 Quadratkilometern ein großer Teich, aber eben nicht groß genug um mich nachhaltig zu beeindrucken. Im Schnitt ist der Teich nur 1,35 tief, weshalb man eigentlich eher von einem Tümpel sprechen müsste. Schön zum Spazierengehen, aber letztlich ohne Schauwerte und daher langweilig. Naja, hätte ich mir denken können – die Region Hannover ist die langweiligste der Welt, wieso sollte das bei den Gewässern anders sein. Wie Modnerd neulich so schön philosophierte: In Hannover findet man Mittelmaß super. So erklären sich z.B. auch die Eigenheime von Ex-Bundeskalnzler Schröder und Ex-Bundespräsident Wulf, die hier rumstehen: Denkmäler des Mittelmaßes, mittelhässlich, mittelpraktisch und ganz sicher Produkt eines mittelmäßigen Geschmacks. Aber ich schweife ab.

Das Wiesel und ich jagten noch ein wenig Passats auf der Autobahn, dann ging es zurück nach Hause. Das war das Steinhuder Meer. Wieder einen Ort abgehakt.

 
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Geschrieben von - 22. April 2013 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Sechs Wochen

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Was für eine ereignisreiche Woche! Die Vorbereitung der LANGEN Reise ist ein Riesenstück vorangekommen. Nicht nur, dass aus den tiefsten Tiefen des Erzgebirges nun alle beide Reifen geliefert wurden, am vergangenen Wochenende konnte auch (endlich!) die Kawasaki ausgemottet werden.

Am vergangenen Samstag war das Wetter so lala. Ich habe die Zeit genutzt um Jacke, Hose, Stiefel und Handschuhe aus dem Lagercontainer zu befreien, kleinere Verschleißstellen zu flicken und danach gründlich zu imprägnieren (einsprühen, trocknen lassen, einsprühen, trocknen lassen, mit Föhn leicht erwärmen, trocknen lassen). Danach war mir schlecht (von den Lösungsmitteln im Imprägnierspray), und ich wollte eigentlich nichts mehr machen – aber dann juckte es doch in den Fingern. Also ab zum Lager der ZZR, die Betontreppe runter in die unterirdische Lagerhalle und los mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Befreit von Schutzhüllen und mit voll aufgeladener Batterie und sauberen Vergasern wäre die Maschine mit Sicherheit noch schneller angesprungen, wenn ich Doof mal den Choke ordentlich aufgemacht hätte bei den Startversuchen. So habe ich fast den Starter kaputtgeorgelt. Egal, am Ende lief sie.

Die ersten Fahrten waren noch sehr, sehr hüftsteif. An Vieles erinnert sich der Körper und macht es automatisch, aber an manche Bewegungen, wie das flüssige in die Kurve legen, muss er sich erst wieder langsam gewöhnen. Das geht mir aber nicht allein so, sondern ALLEN Motorradfahrern, die jetzt ein halbes Jahr raus sind. Umso unverständlicher fand ich es, dass viele bei dem schönen Wetter schon wieder gerast sind wie die Bekloppten. Die ersten Toten hat man schon wieder aus den Felswänden des Harz puhlen müssen. Schlimm.

Ausrüstungstechnisch ging es auch gut voran. Ich habe endlich den Hintern hoch bekommen und das Topcase fertig ausgebaut. Das hat nun Halterungen für Taschen bekommen und statt des doofen Stück dreckigen Schaumstoffs ein richtiges, selbstgebautes Kunstlederkissen (mit altem, dreckigen Schaumstoff als Kern :-) ). Das Wiesel wird sich freuen, dass seine Lounge so komfortabel ausgebaut wurde.

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Das Navigationsgerät wurde ausgemottet und mit den neuesten Karten versehen. TomTom ist schon echt ein kruder Laden: Die neue Karte gibt es nur im 18-Monate-Abo (was ich nicht brauche oder will!) und kostet fast 80 Euro. Meine Güte. Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mir das brandneue Nachfolgegerät mit “lebenslangen Kartenupdates” zu kaufen (lebenslang: So lange wie TomTom Support leisten will). 400 Euro für ein Gerät, das evtl. nicht mit meinem Helm zusammenarbeitet, sind dann aber doch ein wenig viel. Also mit den Zähnen geknirscht und nur die Karte gekauft und ein SCDB-Update eingespielt, jenes Datenpaket, das von Strassenbenutzern in Crowdsourcing zusammengetragen wird und gefährliche Stellen der ganzen Welt auf Navis darstellt. Das funktioniert besser als das entsprechende TomTom-Modul und kostet nicht mal ein Drittel davon.

Da ich eh´ aus anderen Gründen beim ADAC war, habe ich gleich mal eine Vignette für Österreich gekauft. Das hat die Verkäuferin erst einmal in Verwirrung gestürzt, weil “Vignetten für Motorräder nicht oft gekauft werden”. Glaube ich gerne. Ich habe auch nicht wirklich vor, in Österreich nur Autobahn zu fahren, aber wenn ich doch mal schnell vorankommen möchte, kann ich es damit. Nach einer Viertelstunde Suche im Lager kam die Dame dann mit einem rosa Fetzen zurück. Das 2013er Pickerl ist ALLEN ERNSTES knallig PINK!! Beileid, liebe Österreicher, die ihr das ganze Jahr damit rumfahren müsst. Weiterer Lacher: Ein Motorrad heißt in österreichischem Gesetzessprech “KFZ einspurig”. Buahahahaha!

Von der Reiseplanung her geht es jetzt an die kleinen, feinen Details. Welche Museen haben welche Öffnungszeiten, wo parkt man in einer Stadt, die nur aus senkrechten Strassen besteht? Da bin ich noch nicht viel weiter. Über all die Aktivitäten ist leider ist das Sprachenlernen wieder zu kurz gekommen. Aber man kann ja nicht alles haben.

Und sonst so? Habe ich es tatsächlich an fünf der letzten sieben Tage ins Sportstudio geschafft. Jeden Abend etwas mehr als eine Stunde Gewichte stemmen und Radfahren, und ich meine spüren zu können, wie ich wieder fitter werde. Den kaputten Knien geht es definitiv besser, und als netter Nebeneffekt sind angeblich 1,7 (oder 2,6, je nach Tagesform der Waage) der überflüssigen fünf Kilo weg.

Zusammengefasst:
- Motorradkleidung ist ausgepackt, repariert und imprägniert
- Reiseplanung: Details für die Tage 18 bis 23 fehlen noch
- Sport: Ja, fast jeden Tag.
- Sprache: Hmpf. Das schlechte Gewissen.
- Reifen: Sind da, sogar in der richtigen Größe und mit Freigabe
- Motorrad: Läuft
- Navi: Läuft und ist auf brandneuem Stand
- Halterungen für HD-System sind bestellt
- Vignette: Auf Lager
- Buchungsunterlagen: Gedruckt

Das steht an:
- Reifen abschmirgeln
- Weiter planen
- Wieder Routine im Fahren bekommen
- Navigationsrouten erstellen und erfassen
- HD-System anbauen und testen
- Nach Laufzeittest ggf. mehr Speicher kaufen

 
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Geschrieben von - 19. April 2013 in Reisen

 

Sieben Wochen

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Als die Kollegin vollkommen verdutzt im Büro stand, mit zwei Motorradreifen, die ihr der Postbote gerade in die Hände gedrückt hatte, musste ich laut loslachen. So sehr war ihr die Irritation ins Gesicht geschrieben. Als mich durch das Cellophan des runden Pakets ein Engel anguckte, verging mir die gute Laune. Auf dem bestellten, Pirelli Angel GT ist, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nämlich kein Engel zu sehen. Spontan fühlte ich mich übers Ohr gehauen – denn ich weiß, dass der GT gerade schwer zu bekommen ist, und vermutete, dass der Onlineversender es sich leicht gemacht und mir den alten Reifen der ST.Baureihe eingepackt hatte, in der Hoffnung, ich würde es nicht merken. Bei genauerem Hinsehen war allerdings auch die Felgengröße die verkehrte, so dass hier vermutlich wirklich der Kommissionierer Mist gebaut hat. Also zurück zum Absender damit. Ist ja noch genug Zeit bis ich sie wirklich brauche.

Wettertechnisch hat sich wenig geändert. Am Wochenende war es immer noch um die Null Grad kalt, in der Woche kriecht das Thermometer jetzt schon mal in Regionen von plus vier bis plus neun. Mittlerweile ist man ja auch schon für wenig dankbar, bspw. für Nieselregen statt Schnee, aber das ist immer noch kein Wetter um das Motorrad auszumotten.

Und sonst so? Ansonsten bin ich ECHT stolz auf mich. In den vergangenen sieben Tagen sechs mal für eine Stunde im Sportstudio gewesen UND mich gesund ernährt. Ich weiß gar nicht wohin mit der ganzen Energie, und 1,6 der fünf überflüssigen Kilo sind angeblich weg. Nur Sprache lernen, das ist schon wieder ein wenig auf der Strecke geblieben. Und: Ich sollte aufhören Reiseführer zu lesen. Je mehr ich über die Regionen weiß, durch die ich fahre, desto mehr “must sees” entdecke ich. Ach, die Vorfreude.

Zusammengefasst:
- Reiseplanung: Details für die Tage 12 bis 23 fehlen noch
- Sport: Ja, macht sogar Spass.
- Sprache: Hmpf. Das schlechte Gewissen.
- Reifen: Immerhin zur Hälfte da
- Motorrad: schläft.

Das steht an:
- Klamotten auspacken, checken und imprägnieren
- Batterien von Navi, Helm und WLAN aufladen
- Motorrad ausmotten. Wenn das Wetter danach ist.
- Vignetten besorgen

 
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Geschrieben von - 10. April 2013 in Reisen

 

Acht Wochen

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Noch ungefähr acht Wochen, bis es am 01. Juni auf DIE LANGE REISE geht. Das ist schon so bald, und dennoch scheint der Sommer so weit weg. Immerhin liegen hier noch Schneereste, und das Thermometer arbeitet sich von unten an die Null-Grad-Marke heran. Dem Wetter entsprechend ist das Motorrad immer noch eingemottet.

Etwas vermessen kam ich mir daher schon vor, bei den jetzigen Gegebenheiten Werkstatttermine für Anfang Mai klar zu machen und neue Reifen zu bestellen. In einer Werkstatt funktionierte das Terminmachen total gut, in einer anderen hat man das Konzept irgendwie nicht verstanden. “Wie, Sie wollen am dritten Mai vorbeikommen? Da kann ich doch jetzte noch nich´ hingucken was am dritten Mai hier los ist, das weiß ich jetzt nicht, ob ich ihnen da die Reifen aufziehen kann”. Spezialisten, echt.

Ansonsten bin ich ziemlich stolz auf mich: In den letzten sieben Tagen habe ich es an fünf Abenden zum Sport und zum Sprachen lernen geschafft. Und wie gut die Bewegung tut! Statt der Nuller kann ich zumindest schon wieder Anfängergewichte heben, 20 Kilometer Fahrradfahren geht problemlos und ein halbes der überflüssigen fünf Kilo ist weg. Trotz Ostern. Ein netter Nebeneffekt.

Auch ein spezielles Trainingsgerät für die Handgelenke ist jetzt im Einsatz. Vielleicht lassen sich dadurch die Belastungsschmerzen, die mir im letzten Jahr doch sehr zu schaffen gemacht haben, reduzieren. In der Summe war das jetzt schon mal eine gute Übung in Selbstdisziplin, fast jeden Abend drei Stunden Bewegung/Weiterbildung zu machen.

Und Außerdem? Ist in dieser Woche noch neue Reiseführerlektüre angekommen. Mit noch mehr interessanten, potentiellen Zielen. Die Karte der zu besuchenenden Orte weißt jetzt schon fast 50 Positionen auf, die wird noch entschlackt werden müssen.

Zusammengefasst:
- Der letzte Reiseführer ist da.
- Detailplanung für Touren im Kernbereich fertig.
- Sport: Ja, macht sogar Spass.
- Sprache: Ja, läuft.
- Reifen bestellt, diesmal die brandneue Grand Tourismo Version.
- Bremsbeläge bestellt.
- TÜV- und Inspektionstermin steht
- Reifentermin steht.
- Motorrad: schläft.

Das steht an:
- Klamotten pflegen.
- Geräte checken.
- Motorrad ausmotten. Wenn das Wetter danach ist.
- Vignetten besorgen

 
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Geschrieben von - 5. April 2013 in Reisen

 

Smithsonian

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Es begann im Jahr 1979. Deutschland hatte gerade den schweren Winter überstanden, in Harrisburg war gerade ein Reaktorunfall geschehen, da stieg ein Ehepaar zusammen mit ihrem 3 Monate alten Baby in eine Pan Am Maschine und flog zur Verwandtschaft nach Washington D.C.. Es folgten viele vergnügliche Tage, die Stadt wurde erkundet, Museen wurden besichtigt, unter anderem auch das Smithsonian für National Air and Space. Dabei entstand ein Bild, welches für mich wohl zu den frühesten Kindheitserinnerungen gehört und mich seitdem immer wieder fasziniert hat. Es zeigt den kleinen Kenny, schlafend im Babybag vor der Landefähre Apollo 11 in eben diesem Museum. Diesmal, so hatte ich es mir bereits in der Anfangsplanung vorgenommen, sollte mir das nicht passieren, und so schob ich die ganze Reisegruppe bestimmt in Richtung Museum.

Die Smithsonian Institution ist der größte Museumskomplex der Welt. Gegründet wurde es im Jahr 1846 und zwar aus der Hinterlassenschaft von James Smithson. Er hatte verfügt, dass, wenn seine Erben keine Kinder haben sollten, das Geld an die USA zur Einrichtung zu begründen zur Mehrung und Verbreitung des Wissens unter den Menschen“ gehen sollte. Kurios dabei ist, dass der Herr Smithson, welcher in Frankreich geboren wurde, nie in den USA war, bzw. engere Kontakte dahin pflegte. Das Motiv seiner Erbschaft ist daher bis heute unklar. Er hinterließ, nach Abzug der Gerichtskosten für allerlei mögliche Erbklagen, $ 515.000. Diese Summe hat dann gereicht um so etwas Großes aufzubauen.

Am Eingang gab es, wie so häufig beim Betreten von öffentlichen Gebäuden, die obligatorische Sicherheitsüberprüfung mit Metalldetektor und Taschendurchsuchung. Dafür war der Eintritt wenigstens kostenlos. Im Museum selbst ist auf mehreren Ebenen alles ausgestellt, was jemals Luftfahrtgeschichte geschrieben hat.

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Spirit of St. Louis

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SpaceShipOne

Direkt am Eingang hängt die originale Spirit of St. Louis, jenes berühmte Flugzeug, welches Charles Lindbergh am 20. Mai 1927 von New York nach Paris geflogen hatte. Damit war er der erste Mensch, der den Flug über den großen Teich überlebte. Viele andere vor ihm hatten nicht so viel Glück. Der Name Spirit of St. Louis ist übrigens ein Dankeschön an seine Sponsoren die eben aus St. Louis kamen. Ein wenig verrückt war diese Konstruktion schon, der Haupttank zum Beispiel war vor der Pilotenkanzel eingebaut, er selbst schaute nur durch ein kleines Periskop nach draußen, und auf Instrumente sowie Funkgerät verzichtete er auch. Man muss sich das einmal vorstellen, da sitzt der Pilot umgeben von 1700 Litern Sprit, unter ihm nur der Ozean, in der Gewissheit, dass der kleinste Fehler in den Berechnungen oder in der Konstruktion sein sicheres Ende bedeutet. Ich glaube, Pioniere müssen nicht nur mutig sein sondern auch ganz schön einen an der Murmel haben. Gewonnen hat er bei dem Flug ein Preisgeld in Höhe von $ 25.000 und durch seine Berühmtheit ein klein wenig Unsterblichkeit.

Ein wenig weiter rechts hängt das SpaceShipOne, ein Raumschiff, dessen Leistungen meiner Meinung nach viel zu wenig gewürdigt werden. Es ist das erste rein aus privaten Mitteln finanzierte Schiff, welches am 21.06.2004 die magische Grenze von 100 KM Höhe überschritt und sich damit offiziell im Weltraum befand. Der Flug sah dabei so aus, dass das SpaceShipOne vom Trägerflugzeug White Knight in 14 KM Höhe gebracht wurde und von da aus mit eigener Antriebskraft in den Weltraum flog. Hier gibt es einen Zusammenschnitt des Fluges auf Youtube. Finanziert wurde das Projekt von Paul Allen, dem Mitbegründer von Microsoft und bekennenden Weltraumenthusiasten.

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Wiesel und Lilienthal

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Wright Flyer

Das Wiesel, welches inzwischen auf eigene Erkundungstour gegangen war, fanden wir bei Otto Lilienthal und seinem Werk “Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst (1889)” wieder. Die Amerikaner stellen es gern so hin, als wären die Gebrüder Wright die ersten Menschen in einem Flugzeug gewesen. Dem ist natürlich nicht so, Otto Lilienthal flog als erster in einem selbstgebauten Gleiter, die Gebrüder Wright übernahmen “nur” sein Konzept und bastelten einen Motor dran. Somit waren sie die ersten mit einem Motorflugzeug. Lilienthal gilt als der Pionier, der als erstes die Wirkung verschiedener Flügelprofile systematisch vermessen und dokumentiert hatte. Sein Fluggerät verbesserte er ständig und schaffte es letztendlich sogar, einen Gleiter zur Serienreife zu bringen. Lilienthal starb am 10. August 1896 im Alter von 48 Jahren bei einem Flugunfall.

Die Gebrüder Wright experimentierten viel mit Lilienthals Gleitern und setzten sich das Ziel einen Motorgleiter zu bauen. Dafür mussten sie einen Motor entwickeln, der nicht nur genügend Leitung erbrachte, sondern auch für damalige Verhältnisse sehr leicht war. Das taten sie zusammen mit Charles Taylor, und heraus kam ein Motor mit 12PS bei “nur” 81 KG Gewicht. Den bastelten sie auf einen Gleiter und schwupps…  Motorflug!

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Flugzeugträger im Flugzeughangar

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Douglas A-4C Skyhawk

Das Smithsonian legt viel Wert auf eine gute Atmosphäre. So wurde eine Ecke sogar zum Flugzeugträger umfunktioniert. Der Bereich versetzt einen in eine andere Welt. Flugzeuge über Flugzeuge, Wissenswertes zu diesen Kolossen auf See, zusammengepackt in eine beeindruckende Ausstellung. Das aber nur am Rande, wir mussten ja noch die Apollo 11 Landefähre finden.

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Hubble ist ganz schön groß

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Links oben: “Spirit of St. Louis”; mitte oben: “Spaceship one”; unten mitte: “Command Module Apollo 11″

Weiter ging es in die Weltraumabteilung. Hier ist wieder einmal alles zu finden was Rang und Namen in der Geschichte der Raumfahrt hat. Von den Anfängen, vertreten durch die V1 und V2, ging es über einen Nachbau vom Hubble Weltraumteleskop, zum originalen und begehbaren Skylab B und der originalen Landekapsel von Apollo 11. Kleine Anekdote am Rande: Als Skylab A, der Vorgänger des begehbaren Exponates, im Jahr 1979 abstürzte, verrechnetet sich die Nasa ein wenig und Teile der Station fielen auf Australien, woraufhin die Behörden einer Australischen Gemeinde den USA einen Bußgeldbescheid wegen unerlaubter Abfallbeseitigung über 400 $ schickten. Dreist dabei ist, dass die USA bis heute nicht offiziell bezahlt haben.

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Eugene Kranz´s Weste

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Wiesel auf Du und Du mit Astronauten

Ich mag ja kleine Schmunzler am Rande, deswegen musste unbedingt Eugene Kranz´s Weste beim Vorbeigehen festgehalten werden. Der Mann war jahrelang Flugleiter bei der Nasa und damals maßgeblich an der Rückholung der Apollo 13 Crew beteiligt. Apollo 13 war diese “Houston, wir haben ein Problem” Crew. 1970 starteten die Astronauten Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise zum Mond. Durch eine Fehlfunktion gab es eine Explosion, und es war bis zur Landung nicht klar, ob die Astronauten die Mission überleben würden.

Eugene oder Gene Kranz, wie er genannt wurde, bekam für jede Mission eine neue Weste, die seine Frau für ihn nähte und die er bis zur Landung trug. Diese Weste entwickelte sich zu seinem Markenzeichen. Im 1995 erschienen Film Apollo 13 wird dies am Rande erwähnt. Wo wir gerade bei dem Film sind, wer ihn noch nicht kennt, unbedingt einmal anschauen. Hollywood hat sich unheimliche Mühe gegeben, alles so akkurat und genau wie nur irgend möglich nachzubauen und zu filmen. Sie haben sogar Schauspieler gecastet, die den original Beteiligten ähnlich sehen. Kleiner Fakt am Rande, Tom Hanks spielt in dem Film den Apollo 13 den Kommandanten Jim Lovell, und am Ende des Films hat der richtige Jim Lovell als Kommandant des Flugzeugträgers einen Gastauftritt.

Das Wiesel versuchte derweil Freundschaft mit einem Astronauten zu schließen. Erwähnte ich schon einmal, dass Wiesel ganz schön anstrengend sind? Wir haben einiges an Überredungskünsten und Keksen gebraucht um ihn davon zu überzeugen, doch weiter mit uns zu kommen sich nicht in ein Weltraumabenteuer zu stürzen.

Tja… und dann war es endlich soweit:

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Lunar Lander Apollo 11

An dieser Stelle ist anno ´79 das eingangs erwähnte Foto entstanden. Für mich ein sehr merkwürdiges Gefühl. Dieses Exponat hat mich meine ganze Kindheit begleitet. Häufig habe ich mir mein Fotoalbum angeschaut und mich bei diesem Bild auf den Mond geträumt. Nun an diesem Ort zu sein und festzustellen, dass noch alles viel größer als in meiner Vorstellung ist… Magisch.

Wir haben hier eine ganze Weile verharrt, die Gedanken treiben lassen, an vergangenes und zukünftiges gedacht und ich habe die für mich sehr spezielle Atmosphäre genossen. Schade dass mein Vater nicht mehr dabei sein konnte. An dieser Stelle ist wohl ein Dank an meine Mitreisenden für ihre Geduld mit mir angebracht. Für dieses Foto bin ich euch ganz schön auf die Nerven gegangen. Es war ein unbeschreiblicher Moment für mich.

Auf dem Weg nach draußen, nichts Böses ahnend, und der Meinung nach alles gesehen zu haben, liefen wir dann noch hier vorbei:

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Ein unscheinbarer Stand…

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…der es aber in sich hat!

Hier am Ausgang, völlig unscheinbar, steht das vielleicht wichtigste und wahrscheinlich auch teuerste Stück der Sammlung. Das schwarze Dreieck ist allen Ernstes ein Stück Mondgestein. Echtes Mondgestein. Von da oben. Vom Mond! Apollo 17 brachte den Stein 1972 auf die Erde. Es ist ein 4 Milliarden Jahre alter, eisenreicher Basaltstein, in einen Sockel eingegossen und man darf diesen Stein anfassen.

Alles in diesem Museum ist von Menschenhand geschaffen und großartig präsentiert. Aber neben Apollo 11 aus sentimentalen Gründen, ist für mich dieses kleine Stück außerirdischen Gesteins das eigentliche Highlight der Ausstellung. Ein Stück Mond berühren zu dürfen, damit hätte ich am Morgen noch nicht gerechnet. Die Oberfläche fühlte sich übrigens leicht rau an.

Kurz darauf standen wir wieder im verregneten Washington, voller Eindrücke und bereit zu neuen Abenteuern.

Zum nächsten Teil: Shenandoah

Zum vorherigen Teil: Neue Freunde

 
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Geschrieben von - 30. März 2013 in Ganz Kurz, Reisen, Wiesel, Wiesels große Reise

 

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Neuneinhalb Wochen

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Meine Güte, wie konnte DAS denn passieren? Als ich im Juni 2012 von DER REISE zurück war, dachte ich noch: Das war´s jetzt, die nächste Tour gibt es erst in einem Jahr, das ist noch SOOOOO lange hin. Und nun? Ist die Zeit einfach so durchgerauscht, und in etwas weniger als zehn Wochen geht es wieder los, das heisst: In gefühlten 10 Minuten.

Dabei bin ich schon seit Herbst mit der Planung der LANGEN REISE beschäftigt. Nahezu jedes Wochenende verbringe ich eine Zeit damit, Karten und Bücher zu wälzen, Route und Reiseziele zu finden und Dinge auszuprobieren. Die Reiseziele und Übernachtungen stehen schon seit Oktober letzten Jahres fest. Seit zwei Wochen ist nun Finetuning der Reiseroute und Detailplanung angesagt.

Über den Winter habe ich außerdem mit den Teilnehmern im ZZR600-Forum einen kleinen Austausch gehabt und ein wenig Analyse betrieben: Was konkret passiert, wenn das Motorrad bei niedriger oder bei null Geschwindigkeit einen Unfall hat? Was geht genau kaputt? Was ist dann ggf. ein Showstopper, der die Weiterfahrt sofort verhindert? Die gewonnenen Erkenntnisse sind wertvoll und haben zu einigen Veränderungen am Motorrad und einem neuen Supportkonzept geführt. Die Veränderungen sind viele, pfiffige Detaillösungen, die zunächst am Reißbrett entstanden und im Labor getestet wurden – jetzt brenne ich darauf, endlich das Motorrad aus dem viel zu langen Winterschlaf holen zu können, um den Kram im echten Leben auszuprobieren.

Ein Teil der LANGEN REISE wird mich wieder nach Italien führen. Leider ist mein italienisch – zumindest gefühlt – noch immer nicht wesentlich besser. Eine lange Phase mit geringer Motivation nach Feierabend noch zu lernen haben dazu geführt, dass ich im Kurs als auch beim Wortschatzlernen hinterherhinke. In den letzten Wochen habe ich wesentlich mehr gemacht als vorher, aber irgendwie bekommt mein Hirn es in der Trockenübung nicht hin, aus Vokabeln, neuen Zeiten und Grammatik sinnvolle Sätze zu formen. Im Gegenteil habe ich sogar manchmal das Gefühl, dass ich flüssiger gesprochen habe, als ich mich nur im Präsenz und knapp hundert Wörtern verständigen konnte. Nunja, vielleicht wird das besser, wenn ich wieder regelmäßig spreche.

Ansonsten hat der lange Winter in Kombination mit Schreibtischarbeit auch bei mir Spuren hinterlassen. Der Mangel an Bewegung hat dazu geführt, dass ich gerade wenig Kraft in Armen und Beinen habe. Das hat bei einer ausgedehnten Städtetour im Februar schon zu Problemen geführt – nach einer Tagestour von knapp 30 Kilometern waren die Muskeln im linken Knie so hinüber, dass ich den Rest der Woche maximal humpelnd und langsam vorankam, Treppensteigen war fast nicht machbar. In dieser körperlichen Verfassung kann ich gerade mal die Maus über den Schreibtisch schubsen, aber mit Sicherheit kein umgefallenes Motorrad aufheben.

Der Orthopäde zuckt mit den Schultern und empfiehlt esoterische Massageübungen mit Tennisbällen, meine Lösung ist eine andere: Nach mehr als 10 Jahren habe ich mich wieder im Fitnessstudio angemeldet. Heute geht´s los. Dann bekommt der Körper, wonach er gerade hungert: BEWEGUNG.

Zusammengefasst:
- Planung ist schon recht weit
- Ausrüstung ist fast komplett, muss aber in der Praxis getestet werden
- Inspektion, TÜV und neue Reifen für die Kawasaki sind noch fällig
- Sprachkenntnisse müssen noch intensiv vertieft werden
- Fitness muss noch signifikant besser werden, sonst wird das eine Katastrophe

Nun denn. 65 Tage habe ich ja noch.

 
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Geschrieben von - 28. März 2013 in Reisen

 

Neue Freunde

Nach einer ruhigen Nacht, wir hatten das Wiesel irgendwann auf ein Kissen in den Sessel verfrachtet, ging es am Sonntagmorgen zurück zum Flughafen. Wer jemals in Lissabon über den Flughafen musste, der hatte hoffentlich gute Wanderschuhe an. Die Wege sind astronomisch. Unser Flieger ging natürlich vom letzten Gate, das Wiesel flitze vor, ließ sich aber nach der Hälfte des Weges doch wieder tragen. Kleine Wieselfüße sind nichts für lange Strecken.

bevorzugtes Transportmittel

Ui, ein großer Reiserucksack für Menschen

Der Flug selbst verlief recht ereignislos. Wir hatten Plätze im Mittelteil und bis auf ein defektes Entertainmentsystem, es traf natürlich mich, lief alles reibungslos. Der Steward war sehr bemüht und nett, das Essen war genießbar, es war genügend Beinfreiheit vorhanden, es gab nicht einmal Turbulenzen. Beim Rückflug sollte das alles ganz anders sein, davon ahnten wir jetzt aber noch nichts.

6 1/2 Stunden später setzte die Maschine in Newark auf. Ein Regenbogen hieß uns Willkommen.

Ein gutes Omen?

Nun kam der Teil, auf den wir alle im Vorfeld etwas sorgenvoll geblickt hatten: die Einreisekontrolle. Über Einreisen in die USA hört man fast immer nur Schlimmes. “Die Beamten schicken einen direkt so wieder nach Hause” oder auch “die zerpflücken dich komplett bei der Einreise”… Wie wir erfahren durften alles nur Geschwätz. Es gibt eine ganz einfach Anleitung um da durch zu kommen. Be serious. Nimm das ganze ernst. Sei höflich, antworte ohne große Floskeln. Dann klappt es auch mit der Einreise. Vor uns in der Schlange warteten mit uns zusammen 3 Italiener. Die drei giggelten und lachten, der Officer im Glaskasten scheuchte sie sogar einmal zurück über die gelbe Wartelinie. 2 von ihnen kamen durch, der dritte wurde recht unfreundlich in die Passkontrolle 2 geschickt. Da wird man dann zerpflückt. Als wir an der Reihe waren und mit mulmigem Gefühl nach vorne traten, zeigte sich auf dem Gesicht des Beamten keinerlei Regung. Mit einem höflichen “Hello Sir” reichten wir ihm unsere Dokumente, die Handabdrücke der rechten und linken Hand wurden genommen, für den Iris Scan einmal nett in die Kamera schauen, Stempel bekommen und schon waren wir durch. Keine Fragen, keine Gefühlsregungen, ein rein mechanischer Ablauf. In Erinnerung daran bleibt, dass auf mein “Thank you Sir and have a nice day” sein linker Mundwinkel kurz nach oben zuckte. Der Typ im Glaskasten ist also auch nur ein Mensch. Wer ihn höflich und freundlich behandelt, hat nichts zu befürchten.

Vom Flughafen aus ging es per Shuttlebus zum Hotel. Ersteindruck: Groß. Und Chrom. Amerikaner scheinen wie Elstern zu sein. Hauptsache es glitzert und blinkt. Das gilt sowohl für Autos wie auch für Häuser.

Auf dem Weg in das Hotel fühlt sich der Deutsche Tourist gleich wie zu Hause

Für das Wiesel wurde das Hotel extra geflaggt

Unser kleiner Reisebegleiter, sichtlich erschöpft vom Flug, fiel als erstes ins Bett, zog sich die Fernbedienung ran und zappte durch gefühlt 1000 Kanäle. Als wir von der ersten Erkundungstour wieder kamen, schlief er tief und fest. Wiesel schnarchen!

So viele Programme…

Am nächsten Morgen ging es, nach dem schlechtesten Hotelfrühstück aller Zeiten, zum Bahnhof und von da aus in die New Yorker Vorstadt, unser Wohnmobil erwartete uns. Vor Ort bekamen wir ein Schulungsvideo auf Deutsch zu sehen, eine Einweisung in alle Geräte an Bord, ein paar gut gemeinte Sicherheitshinweise für den amerikanischen Straßenverkehr und mit einem “Enjoy your trip” wurden wir ins Verkehrsgewusel entlassen.

Wiesel beim Bahnfahren

Da hinten, das isses!

Wir hatten uns entschieden so schnell wie möglich Richtung Süden zu kommen. Die Fahrt verlief ereignislos, immer die Intertstate 95 runter, an Philladelphia vorbei bis in einen kleinen Nationalpark kurz vor Washington. Amerikanische Straßen fahren sich übrigens wie ein Roman. Es ist unglaublich wie viel Schilder man an Straßen aufstellen kann. Einen Großteil könnte normalerweise eingespart werden, die meisten regeln Selbstverständlichkeiten. Alle paar Meilen stehen z.B. Schilder auf denen das herauswerfen von Müll aus dem Fenster verboten ist oder vor jeder Brücke steht ein “Bridge icy before Road”… Ach neee, echt? Ernst machen die Amerikaner mit Geschwindigkeitsbegrenzungen vor Schulen. Zu bestimmten Zeiten blinken vor den Schulen gelbe Lampen und dann wird die Strafe fürs zu schnell fahren verdoppelt. Blöd wer sich blitzen lässt. Für uns ungewohnt, aber leicht zu erlernen, sind die Vorfahrtsregeln. Wo wir Rechts vor Links haben hat der Amerikaner Stoppschilder. Kommt man nun an eine Kreuzung mit 4 Stoppschildern halten alle an und derjenige der zuerst angehalten hat darf auch als erstes fahren. Das klappte immer problemlos. Schön und für unsere Straßen wünschenswert sind die Ampelanlagen. Die stehen bzw. hängen auf der anderen Kreuzungsseite und sind immer sehr gut einzusehen. Kein Kopfverrenken mehr um das Grün nicht zu verpassen.

Wir verbrachten jedenfalls unsere erste Nacht im RV (recreational vehicle = Wohnmobil) um am nächsten Morgen ausgeruht nach Washington aufbrechen zu können. Wir sind dann, hinterher muss ich sagen leicht blauäugig, mit dem RV in die City von Washington in der Hoffnung einen Parkplatz *kicher* zu finden. War ne doofe Idee. 2 Stunden und viele Runden durch die City fanden wir endlich einen Park & Ride Parkplatz. Runterkommen, Adrenalin verdauen und rein in den leeren Bus. Was wir nicht wussten war, dass der Bus die ganzen Afro – Amerikanischen Vororte abfuhr.

Wiesel im Bus nach Washington

Der Bus füllte sich also nach und nach und wir blieben die einzigen hellhäutigen im Bus. Nun ist keiner von uns Kontaktscheu oder Fremdenfeindlich, ein komisches Gefühl war es aber trotzdem. Dann passierte es. Eine Frau schaute uns an und fragte: “Ihr seid aber nicht von hier, oder?” Von da an war alles anders. Wir werden diese Fahrt nie vergessen. Die Menschen im Bus waren total neugierig, höflich und uns gegenüber aufgeschlossen. Wir mussten die ganze Fahrt über von Deutschland erzählen, von unseren Plänen hier, vom Wiesel und und und. Für die Mitreisenden war es völlig fremd, dass 4 junge Leute den Weg aus Europa auf sich nehmen nur um Washington, ihre Heimatstadt zu besichtigen und dann auch noch in diesem Bus sitzen. Interessanterweise war dieses Gespräch kein Einzelfall, auf der Rückfahrt, wir mussten ja wieder den gleichen Bus nehmen, passierte exakt das gleiche. Auf der Hinfahrt hieß unsere Gesprächspartnerin Evelyn, auf der Rückfahrt war es Anthony. Kein Vergleich zum Erlebnis in Lissabon.

Auch die schönste Fahrt geht nun einmal zu Ende und nach einem kurzen Gastspiel in der U-Bahn standen wir mitten in Washington DC. Die Stadt selbst hat ungefähr 600.000 Einwohner, die komplette Metropolregion liegt bei ~ 8 Millionen. Interessanterweise gibt es keine Wolkenkratzer. Schuld daran ist ein Gesetz aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, welches verbietet, dass Häuser höher als die angrenzende Straße + 6.1 Meter ist… Keine Ahnung wer sich das hat einfallen lassen. Die Häuser die höher sind standen alle schon vor Verabschiedung des Gesetzes und das höchste ist wohl mit seinen knapp 170 Metern das Washington Monument. Der Marmorne Obelisk ist eigentlich von überall aus sichtbar und ist als Denkmal für George Washington gedacht. Die Bauzeit betrug 36 Jahre und es wurde im Dezember 1884 fertig gestellt. Leider ist die Besucherplattform seit 2011 gesperrt. Das Wiesel wollte aber trotzdem rauf und ließ sich nicht aufhalten. Genützt hat es nix, bei dem Wetter war die Sicht von ganz oben ziemlich bescheiden…

Erwähnte ich eigentlich schon, dass Wiesel manchmal ziemlich verrückte Ideen haben? Nicht nur dass es auf das Washington Monument raufgelaufen ist, nein, es hat auch noch einen Sprung auf das Weiße Hause gewagt. Naja, zumindest fast gewagt, wir haben es im letzten Moment einfangen können. Wahrscheinlich wäre die Auseinandersetzung mit dem Secret Service hinterher recht interessant geworden.

up up and away

White… Weasel House

Gerade zurück auf dem Boden flitzte der kleine auch schon wieder los und fand mitten im Park einen kleinen Spielgefährten. Ich glaube zwar, dass das kleine Eichhörnchen sich mehr über Nüsse gefreut hätte, den beiden beim Spielen zuzusehen hat aber unheimlich Spaß gemacht.

Neugierde beiderseits

Totaly cute

Von hier aus ging es nun auf direktem Wege in das nächste Museum, Herr Kenny hatte da noch eine Mission zu erledigen…

to be continued

 
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Geschrieben von - 23. März 2013 in Reisen, Wiesel, Wiesels große Reise

 

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Das Wiesel auf dem Weg ins große Abenteuer

Liebe Leserschaft,

bevor wir nun zum wieseligen Teil kommen, dem Teil, der uns in den kalten Wintermonaten an die schöne und warme Zeit erinnern soll, würde ich gern noch ein paar einleitende Worte verlieren.

Die Idee das Wiesel mit in unsere Flitterwochen zu nehmen, kam an einem verregneten Frühlingsabend. Meine Frau, das Standesamt hatten wir bereits hinter uns, schaute mir gelangweilt über die Schulter. “Was liest du´n da?” “Ich les gerade im Blog von Herrn Silencer, schau mal, der hat ein Wiesel.” Erst stehend, später auf meinem Schoß sitzend, zeigte ich ihr all die Abenteuer, die das Wiesel bereits erlebt hatte. “Hey, das ist ja süß, kriegen wir das auch mal? Schreib dem mal ne Mail, dieses Jahr machen wir doch so viel.”

So nahm ich also Kontakt zum Wiesel auf und siehe da, es wollte unbedingt mit uns über den großen Teich. Kurz vor dem Abflug stellte uns dann der Postbote einen Karton vor die Tür und von da an wurde alles angenehm chaotisch. Wer ein Wiesel dabei hat, der wird immer was erleben wurde mir prophezeit. Völlig zu recht. Amerikanische Sicherheitsbeamte z.B. reagieren mitunter sehr merkwürdig auf Wiesel in Reiserucksäcken, Oreos sollte man IMMER außer Reichweite aufbewahren, Otter mögen Wiesel, Wiesel mögen Strandspaziergänge, Wasser hingegen können sie absolut nicht leiden…

Da ich nun (noch) nicht zur bloggenden Gesellschaft gehöre, bot mir Herr Silencer an, über Wiesels Untaten als Gastautor zu berichten. Seitdem versuche ich alle Stolpersteine, die mir WordPress in den Weg legt, wieder weg zu räumen und freue mich über jeden neuen, fertigen Artikel. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Herrn Silencer für sein Vertrauen und an sein kleines Wiesel für den ganzen Spaß, den wir zusammen hatten. Es hat uns ein paar unvergessliche Erlebnisse beschert, über die ich nun und in den kommenden Wochen berichten werde. Habt viel Spaß dabei!

Die Taschen sind gepackt, alle Einreiseformalitäten erledigt, die Nervosität steigt, es kann endlich losgehen. Von der ersten Idee bis zum Abflug sind inzwischen fast zwei Jahre ins Land gestrichen. Ursprünglich war es nur der Wunsch, einmal den Big Apple zu sehen. Aber dann artete die Planung schnell aus, Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen, Angebote eingeholt und Reiseberichte gelesen. Ein befreundetes Paar war so begeistert, dass sie gleich mit uns mitkamen. Vier Personen, ein Wohnmobil und ein Wiesel versprachen unseren TOAZ.

Hamburg, 9 Uhr morgens, die Tür fällt hinter uns ins Schloss. Die Taschen sind schon seit gestern gepackt. Die Nacht verlief ruhig, wenn auch kurz, vor Nervosität fällt das Frühstück aus. Unser kleiner Reisebegleiter flitzt schon den ganzen Morgen durch die Wohnung, zerrt an seinem Reiserucksack und schaut uns aus großen Knopfaugen an.

Drängelndes, abmarschbereites Wiesel

Mit Bus und S-Bahn war der Flughafen Hamburg unser Startpunkt für viele tolle Reisen, schnell erreicht. Check in, Gepäck, Sicherheitskontrolle, alles wohl bekannte Prozeduren. Endlich im Boardingbereich, ein wenig Ruhe kehrt ein, geschafft! Frühstück. Für uns und den kleinen Begleiter. Wo wir gerade dabei sind, so ein kleines Wiesel ist ganz schön verfressen…

Kann nicht reden, muss essen

Boarding klappt problemlos, das Wiesel bekommt einen Fensterplatz, die Maschine rollt zur Startbahn 23, Triebwerke heulen auf, der Vogel hebt ab. Das Abenteuer ist offiziell gestartet.

Der Flug verläuft ruhig, die Landschaft zieht unter uns hinweg, die Verpflegung ist, sehr zum Leidwesen des Wiesels, nicht besser geworden. Trotzdem verlangt es von der Stewardess eine weitere Portion, verdrückt sie, kuschelt sich in Frau Kennys Schoß und schläft friedlich ein.

Inzwischen hat der Airbus die Reiseflughöhe verlassen und beginnt mit dem Landeanflug auf Lissabon. Dort wollen wir einen schönen Abend verbringen und ein wenig durch die Stadt bummeln, bevor es am nächsten  Morgen weiter in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht. Je tiefer unsere Maschine sinkt, umso mehr hebt sich die Stimmung. Das Wiesel wird wieder fitter, schaut aus dem Fenster, freut sich über das schöne Wetter und verschwindet in der Gepäckablage. Es ist in seinem Reiserucksack geschlüpft, bevor die Maschine am Gate hält.

Lissabon, wir kommen

In freudiger Erwartung im Reiserucksack

Lissabon ist Portugals Hauptstadt, und mit 500.000 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Das heutige Stadtbild stammt größtenteils aus dem 18. Jahrhundert, und die Altstadt ist geprägt durch enge Gassen und gefließte Außenfassaden. Durch die engen Straßen schlängelt sich unheimlich viel Verkehr und eine Straßenbahn, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und für ein Fahrerlebnis der besonderen Art sorgt.

Mittelalterliche Bahn

Die Bahn, oder besser gesagt der eine Wagen, besteht ganz aus Holz. Die Fenster können aufgeschoben werden, und der Straßenbahnfahrer benutzt eine Leine, um die Stromabnehmer auf dem Dach einzeln umzuhängen. Sehr urig.

Gekachelte Küch…äh, Haus

Enges Gässchen

Wenn man sich in das Innere des Waggons begibt, wird man sehr schnell als Tourist erkannt. Die Portugiesen reagieren darauf sehr verhalten, teilweise sogar unfreundlich. Uns ist eine Dame um die 50 gut in Erinnerung geblieben, die uns mit einem gewaltigen Wortschwall auf Portugiesisch und vielen Gesten darauf aufmerksam machte, dass Touristen in dieser Bahn zu stehen haben, damit recht schaffende Leute sich hinsetzen können. Sehr schade, dieses Erlebnis trügt ein wenig die Erinnerung an die an sonst recht reizvolle, wenn auch baufällige Stadt.

Belohnt wurden wir für diese abenteuerliche Fahrt mit einem wundervollen Ausblick über Lissabon. Im Hintergrund ist übrigens die zweitgrößte Hängebrücke für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr, die Ponte 25 de Abril, oder kurz Ponte, zu sehen. Links daneben kann man noch die Christo-Rei-Statue erahnen, eines der vielen Wahrzeichen Lissabons.

Große Stadt und kleines Wiesel

So viel Gelaufe und Gefahre durch die Stadt macht nicht nur Wiesel hungrig, und so trieb es uns in eins der zahlreichen kleinen Restaurants an der Straße. Der Wirt, unheimlich nett, sprach kein Wort Deutsch oder Englisch, verständigte sich aber über wilde Gesten, verstand dann ungefähr wer Fisch oder Fleisch wollte, verschwand in der Küche und kam mit kulinarischen Köstlichkeiten wieder zurück. Wir dinierten bei untergehender Sonne mit Blick auf das Castelo de São Jorge, einer alten Burganlage, welche um die 1000 Jahre alt ist.

Castelo de São Jorge bei Sonnenuntergang

Pappsatt ging es mit der U-Bahn, welche im Vergleich zur Straßenbahn sehr modern und sauber ist, zurück ins Hotel. Wiesel nahm sofort ein Bett in Beschlag, zauberte einen New York Reiseführer aus seinem Reiserucksack hervor, las 2 Sekunden und schlief umgehend ein. Es war wohl doch ein sehr anstrengender Tag.

Wiesel kurz vorm Einschlafen

Weiter zum nächsten Teil: Neue Freunde

 
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Geschrieben von - 16. März 2013 in Reisen, Wiesel, Wiesels große Reise

 

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