RSS

Drei Wochen

Neue Reifen: 230,- Euro
Reifenmontage: 75,-
Inspektion, Ölwechsel, Bremsflüssigkeitswechsel: 190,- Euro
Neue Bremsbeläge vorne: 140,- Euro
Hauptuntersuchung: 63,- Euro

Das sichere Gefühl, mit einem im perfektem Zustand befindlichen Motorrad zu fahren: UNBEZAHLBAR.

So könnte man das Hauptergebnis der letzten Woche zusammenfassen.

20130510-002215.jpg

Die Maschine hat wieder für zwei Jahre die Plakette. Die Bremsen sind statt auf 30 wieder auf 100 Prozent, und die neuen Reifen sind rund und nicht im Querschnitt eckig gefahren, wie die alten. Obwohl ich den alten Angel ST wirklich Respekt zollen muss. 10.000 Kilometer hatten die jetzt drauf, und waren noch lange nicht am Ende des Lebens angelangt. Nur waren sie halt in der Mitte etwas platt gefahren, was in Kurven keinen Spass macht, wenn man die Karre quasi über die Kante wuchten muss. Und DIE LANGE REISE ist LANG, das wollte ich mit den alten Reifen dann doch nicht machen. Reifen und Bremsen sind wichtig.

Gute Versorgung ist auch wichtig. Vor allem mit Ersatzteilen, wenn man wer-weiß-wo sitzt und eine Panne hat. Sicher, wenn einem nun ein Kolben um die Ohren fliegt, hilft das beste Supportkonzept nichts. Wenn es einen Motorschaden oder einen schlimmen Unfall gibt, ist die Fahrt natürlich beendet. Aber es gibt gewisse Dinge, auf die kann ich mich vorbereiten und es gibt Fälle, für die kann ich vorsorgen.

Über den Winter habe ich ein wenig mit den lieben Leuten im ZZR-Forum gearbeitet, um typische Schwachstellen unseres Motorrads zu finden. Die Ergebnisse einer kleinen Umfrage zum Thema “Was ist Euch passiert bei Unfällen mit geringer/keiner Geschwindigkeit” waren recht schnell sehr eindeutig. Es gibt verschiedene “Show Stopper”, relativ kleine Ursachen mit so großer Wirkung, dass eine Weiterfahrt sofort unmöglich wird. Ein Beispiel: Manchmal reicht es schon, wenn die Maschine im Stand umfällt, und eine der Fußrastenhalterungen abbricht. In dem Moment ist alles vorbei. Game Over, Tour ist zu Ende.

Aus diesem Grund habe ich mir ein kleines Ersatzteillager zugelegt. Beide Fußrasten, die wichtigsten Bowdenzüge, Deckel für Lichtmaschine und Zündgeber, ein Lichtmaschinenregler, weil der gerne bei mediterranen Temperaturen den Geist aufgibt, usw.
Alles für recht kleines Geld über den Winter zusammengekauft. Einen Teil der Sachen werde ich mitnehmen – ein Bowdenzug ist klein und nimmt nicht viel Platz weg, und bei 135 Litern Frachtvolumen habe ich VIEL Platz. Andere Teile werde ich zu Hause einlagern, versendebereit verpackt. Wenn ich die tatsächlich brauchen sollte, wird ein helfender Engel die fertigen Pakete einem Kurier in die Hand drücken, der die innerhalb von 24 Stunden an jeden Punkt Europas ausliefert.

Außerdem habe ich in jedem Land mindestens einen “Fixer”, einheimische Freundinnen und Freunde und Organisationsgenies, an den ich mich im Notfall wenden kann und die dolmetschen, Sachen besorgen und einfach Dinge “fixen” können. Und natürlich habe ich eine Liste aller Kawasaki-Werkstätten auf der Route dabei. Soweit das neue Supportkonzept. Ich hoffe, ich werde dieses Fallback nie brauchen.

Klingt alles übertrieben? Kann sein. Immerhin bin ich nicht in Afrika unterwegs oder der Mongolei oder an sonst irgendwelchen Orten fernab der Zivilisation. Ich bin in Europa, wo alles in kurzer Zeit machbar sein sollte. Theoretisch. Aber auch mitten in unserem Kontinent gibt es so abgelegene Orte. Und hey, manche Leute fahren schon bei Touren, die halb so lang sind wie die LANGE REISE nur mit Versorgungsfahrzeug. Echt. Die fahren dann in einer Gruppe von Motorrädern, und hinten dran ein Bus mit Teilen, Werkzeug und Gepäck. Ich habe kein Versorgungsfahrzeug, und ich bin allein unterwegs. Diese Vorbereitung gibt mir die Sicherheit zu Wissen, was in Notsituationen zu tun ist – und nicht kopflos in der Luft zu hängen. Und hey, ich schreibe über die Vorbereitung ja auch, damit sichtbar wird, wieviel Gedanken, Planung und Mühe in die Vorbereitung gesteckt wird.

Und sonst so? Sport, immerhin vier Mal in den letzten sieben Tagen. Aber mit ein wenig mehr Bedacht, der Wirbel im Rücken schmerzt immer noch. Netter Nebeneffekt: 4,1 der fünf überflüssigen Kilos sind weg, jetzt passe ich wieder in die guten Anzüge, ohne die Luft anhalten zu müssen. Das ist gut. Ob es schon reicht, um 250 Kilogramm hochzustemmen? Wer weiß. Ausprobieren tue ich das vorher nicht.

Zusammengefasst:
- Neue Reifen sind drauf
- Bremsbeläge sind erneuert
- Öl und Bremsflüssigkeit sind erneuert
- Automatisches Kettensschmiersystem ist aufgefüllt
- Hauptuntersuchung ist gemacht
- Die Tagestouren stehen alle fest und MAN, wird es viel zu sehen geben
- Parkplätze in fast allen großen Städten sind gefunden
- Der Haupt-Host hat die Reservierung bestätigt mit den Worten, “Don´t you worry, how dare you! OF COURSE YOUR ROOM IST WAITING FOR YOU!!!!”
- Kompressionssäcke bestellt
- Reiseapotheke aufgefrischt
- Bordwerkzeug gecheckt

Das steht an:
- Panzerung anbauen
- Halterung für die neuen Instrumente erfinden und bauen
- Neue Kamera testen
- andere Hosts anschreiben
- Navi programmieren. Das wird dauern, denn es geht an abgelegen Orte, die man echt über Koordinaten eingeben muss.

20130509-022058.jpg

 
5 Kommentare

Geschrieben von - 10. Mai 2013 in Reisen

 

Was das Internet mit unserem Hirn macht

OK, die Überschrift ist vielleicht ein wenig irreführend. Eigentlich müsste es heißen: Wie das Netz unsere GEsellschaft verkrüppelt. Oder auch: Wie unsere Jäger- und Sammlergene uns dumm machen.

“Wenn das Internet ausfallen würden, bin ich von jetzt auf gleich dumm wie Brot”, las ich neulich ein strunzdummes Statement. Oder es war ernstgemeint, dann muss man aber in der Tat am Verstand des Schreibers zweifeln. Der folgende Kurzfilm visualisiert sehr schön einige Kernthesen aus Nicolas Carrs Buch “The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains” und erklärt in knappen drei Minuten, wieso das Netz unsere Aufmerksamkeitspanne reduziert und uns langfristig… Oh, Katzenbilder!

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 8. Mai 2013 in Internet

 

Herrentag

Morgen ist ja wieder, theoretisch, Christi Himmelfahrt. Praktisch wird der uhgn, Vatertag begangen. Eine ziemliche Schweinerei und widerliche Angelegenheit, die ihre Ursprünge im Mittelalter hat. Am Herrentag schritten die Gutsbesitzer ihre Anwesen ab und inspizierten die Grenzen.

Später wurde daraus die Herrenpartie, bei der durchaus auch der Nachwuchs mitgenommen wurde. An relevanten Punkten, die Merkmal für den den Grenzverlauf darstellten, bekam der Sprössling eine ordentliche Backpfeife auf die Seite des Kopfes verpasst, damit er sich die Stelle auch merkte. Daher kommt der Ausdruck “etwas hinter die Ohren schreiben”.

Die heutige, widerliche Form, in der besoffene Zombies laut gröhlend und scheiße angezogen mit Bollerwägen durch die Gegend krajolen und so lange saufen, bis sie entweder bewusstlos umfallen oder sich gegenseitig auf´s Maul hauen, ist eine Berliner Erfindung, die man da um die vorvergangene Jahrhundertwende gemacht hat. WARUM AUCH IMMER. Kann ja eigentlich nicht sein, dass sich da wer hingesetzt hat und sich gesagt hat, “Mensch, so´n Tach nur zum sofen und reihern und kloppen, des wär wa? Den erfinde icke mal “Alta, son Tach zum picheln, bröckeln und kloppn, det wär doch wat, wa! Den erfind ick ma.*”. Aber ach, genauso war es wohl. Und jetzt leidet der vernünftige Teil der Menschheit unter diesem heidnischen Ritual.

*Berlinerisch beigesteuert von Psychoqueen.

 
10 Kommentare

Geschrieben von - 8. Mai 2013 in Service

 

Nichts passiert

Huhu ist vorhin in den Feedreader gefallen, als er die Adjektivfilter des Blogs neu kalibrierten wollte. Aber keine Bange, nix passiert. Diejenigen, die per Feed gerade einen verwirrten Huhu geliefert bekommen haben: Bitte nicht ansehen und gleich Löschen. Danke.

20130505-155351.jpg

 
2 Kommentare

Geschrieben von - 5. Mai 2013 in Ganz Kurz

 

Spanien 2013 (1): Girona

“Ich glaube, die ganzen Reiseführer hätten wir uns sparen können. Das Bild im Klo zeigt ALLES was man in hier sehen muss.” “Sag mal, wieviel hast Du von dem Wein schon getrunken?!” “Nein, im Ernst! Apropos Wein, gib mal den Korkenzieher.”

WLAN und Rioja, was für ein schöner Ausklang eines langen Tages.

30 Minuten vorher:
Da liegt es, das Designhotel Vincci Bit, östlich des Zentrums von Barcelona. Ich bin froh ins Warme zu kommen. Spanien hin oder her, 4 Grad sind 4 Grad und nicht besonders warm. Immerhin zieht es hier aber nicht so schlimm wie vorhin in Girona, und ausserdem habe ich jetzt endlich meine Mütze auf.

P1110416

Zwei Stunden vorher:
“Nein, hier gibt es keine Korkenzieher. Da müssen Sie in den Chinaladen die Strasse runter an der Ecke”, radebrecht die einzige englischsprechende Verkäuferin in dem kleinen Supermarkt. Ich seufze. Also wieder zurücklaufen. Durch den eisekalten Wind. Und das, wo mir doch jetzt schon die Ohren abfallen. Ich beglückwünsche mich zum wiederholten Male, vor der Abreise als letztes noch an eine Mütze gedacht zu haben – und ärgere mich gleichzeitig darüber, dass sich die jetzt im Auto befindet und nicht auf meinem Kopf, wo sie hingehört. Außerdem wundere ich mich: Komische Supermärkte haben die hier. Aber wenigstens haben wir jetzt eine Flasche guten Rioja und etwas zu Essen im Gepäck, das kleine Sandwich von vorhin hält nicht ewig.

P1110415

Zwei Stunden vorher:
Der erste Weg führt vom Flughafen ins angrenzende Girona. Das Pandababy lassen wir am Rand der Stadt zurück und laufen zu Fuß dorthin, wo Modnerd die Altstadt vermutet. Im Dunkel durchstreifen wir die Gassen, die sich mal steil den Berg hinaufwinden und mal abrupt in Sackgassen enden.

An dieser Treppe wurde eine Szene für “Das Parfum” gedreht:

P1110399

P1110410

Zwischendurch stoßen wir immer wieder auf hell angestrahlte Gebäude und Denkmäler. Interessant ist übrigens, dass jede Strassenlampe, jede Ampel und jede kleine Laterne mit LED-Lampen versehen ist.

P1110413

Eine kleine Bäckerei versorgt uns mit leckeren Sandwiches, dass erste, was Modnerd und ich an diesem Tag zu uns nehmen. Der kleine Snack in Bremen von heute Mittag zählte nicht. Mittag? Das scheint schon Ewigkeiten her zu sein. So ist das, wenn man viel zu gucken hat.

Eine Stunde vorher:
Schließlich entdecken wir den Parkplatz, den die Spanier in einem Parkhaus versteckt haben, und übernehmen einen Fiat Panda, oh Wunder, was auch sonst? Egal. Das Ding ist klein, übersichtlich und – egal.

P1110391

20 Minuten vorher:
“Und wenn wir da hinten mal schauen?”, ich gucke Modnerd fragend an und holpere dann mit meinem Rollköfferchen über den Kreisel mitten im verlassenen Gewerbegebiet. Irgendwo hier soll der Parkplatz für Mietwagen sein. Um uns herum gibt es Schilder für alle möglichen nationalen Mietwagenverleiher, aber nicht für Hertz oder Europcar. Mist. Kaum in Spanien, schon verlaufen.

15 Minuten vorher:
Und plötzlich stehen wir auf dem Rollfeld, mitten in den Bergen, neben dem Ryanair-Flieger, und ich kann es gar nicht fassen, dass wir schon in Spanien sind.

P1110384

Leider ist es schon spät am Nachmittag, und so schnell wie die Sonne hinter den Bergen versinkt, so schnell kommt die Februarkälte herangekrochen. Nicht die spitze Kälte mit Minusgraden, wie gerade in Deutschland – nein, die Art von Kälte die man bekommt, wenn man knapp über Null mit einen ordentlichen Wind zusammenmixt. Feucht und durchdringend. Schnell suchen wir im Flughafengebäude den Mietwagenschalter auf, erledigen die Formalitäten und mit einem freundlichen “Hier raus, Strasse runter und da hinten links”, verabschiedet uns die freundliche Autoverleiherin.
Das Laufen tut gut, nach der Tortour eben.

Zwei Stunden vorher:
“Und das passt?” “Ja, sicher, jetzt pack Deinen Koffer schon unter den Vordersitz!” “Und meine Füße?” “Wir fliegen jetzt, da brauchst Du keine Füße!” – damit habe ich wieder was von Vielflieger Modnerd gelernt. Ich biege und dehne meine Füße ebenso kunstvoll wie schmerzhaft um den Koffer, den Vordersitz und die Seitenwand des Flugzeugs herum. Alles andere als bequem, aber für zwei Stunden wird es schon gehen. Mal abgesehen davon, dass meine Extremitäten sowieso immer noch total durchgefroren sind.

Zum wiederholten Mal lobe ich meine In-Ohr-Kopfhörer. Dank denen muss ich die Kindermeute um mich herum nicht hören und kann mich ganz auf den Flug konzentrieren. In wenigen Stunden werden wir in der Wärme sein, aber jetzt und hier, im grauen und kalten Bremen, werden gerade die Tragflächen enteist.

P1110367

Nach dem Start und dem Durchstoßen der Wolkendecke geht urplötzlich die Sonne auf. Sonne! So viel und so intensiv, wie ich sie seit geschlagenen vier Monaten nicht mehr gesehen habe! Wenn nur das Wiesel eben nicht verloren gegangen wäre und das jetzt sehen könnte!

P1110370

Eine Stunde vorher:
Nach einem kurzen Aufenthalt im unglaublich schlecht organisierten McDonalds am Flughafen Bremen sind Modnerd und ich in die Wartehalle des Ryanair-Terminals umgezogen.

P1110360

P1110365

Dort hat sich das Wiesel aus der Reisetasche gewieselt und erkundet erst die Wartehalle, dann knabbert es den Reisekiosk an, und schließlich ist es ganz außer Sichtweite. Bis zum Abflug taucht es auch nicht mehr auf. Das beunruhigt mich nicht wirklich, das Wiesel kann auf sich selbst aufpassen. Und überhaupt geht mir das Wiesel gerade ein wenig auf die Nerven, denn es ist übellaunig. Und ich weiß auch wieso.

Zwei Stunden vorher:
Das Wiesel und ich haben uns am Bahnhof mit Modnerd getroffen, und als der ICE einfährt, ist die Freude groß: Die Waggons sind alle leer! Keine nervigen Mitreisenden! Dann wird der Grund dafür offenbar: Der Zug wird durchaus benutzt, weil aber in der Hälfte der Wagen die Heizung ausgefallen ist, haben sich die Reisenden in den verbliebenen Waggons gepfercht. Als wie einen von denen zu betreten versuchen, sehen wie uns einer Menge über- und untereinandergepackte Augenpaare gegenüber, die uns kollektiv einen Blick zuwerfen der sagt: “Oh BITTE! Nicht NOCH mehr Leute hier drinnen!” Auf Gedränge haben wir aber alle Drei keine Lust, also behalten Modnerd und ich unsere dicken Winterjacken an und belegen gleich mehrere Sitze in einem der leeren Wagen – WEIL WIR ES KÖNNEN! Das Wiesel bekommt spontan schlechte Laune: Es hatte sich auf Wärme und Sonne und interessante Leute gefreut, und nun sitzen wir hier in einem leeren Bahnwaggon bei Temperaturen knapp über Null Grad. Das kann schon mal auf die Laune schlagen.

P1110358

Eine Stunde vorher:
Heute ist der 08. Februar! Heute soll es los gehen! Also springen das Wiesel und ich in den Zauberbus, der bei uns in Mumpfelhausen vor der Haustür abfährt, und nach nur zwei Mal Umsteigen werden wir in Spanien sein!

Vier Monate vorher:
“Es wird das letzte Mal sein. Abschiedstournee, quasi.” Modnerd guckt ernst. “Danach bin ich mit Spanien durch und fahre woanders hin. Wenn ich Dir da was zeigen soll, dann ist das jetzt die letzte Gelegenheit.”

Es ist September 2012, und schnell stehen zwei Dinge fest: 1. Modnerd und ich werden noch einmal gemeinsam auf Tour gehen und 2. wird das im Februar 2013 passieren. Dann, wenn der Winter in Deutschland noch einmal eine ordentliche Schippe drauflegt, wollen wir der Kälte entfliehen und der Winterdepression durch einen vorgezogenen Frühling ein Schnippchen schlagen. Die Mission: Architektur bestaunen und Spanien kennen lernen. Und diese Hippies, die mir seit Jahren nicht aus dem Kopf gehen.

Zwei Jahre vorher:
“Da ist es echt total irre! Was die Spanier da für abgefahrenes Zeug hinstellen, so architekturmäßig, dass musst Du sehen! Und dann gibt es da ein ausgetrocknetes Flussbett, da haben sie eine Stadt der Künstler hingestellt! Das muss man sehen, so lange es das noch gibt!”
Modnerd ist offensichtlich begeistert. Verständlich. Vor meinem inneren Auge kann ich die Stadt der Künste schon sehen: So eine Hippiekommune mitten im Fluß, die töpfernd vor bunten Zelten sitzt und in ihrer selbsternannten “Stadt der Künste” Batiktücher und ähnlichen Tand an Touristen verkauften. Ich war fast ein wenig neidisch auf die Reise, von der Modnerd gerade zurückgekehrt war.

Heute:
“Du hast recht, da ist alles drauf, was man sehen muss.Und wir werden uns ALLES angucken!”

P1110975

 
6 Kommentare

Geschrieben von - 4. Mai 2013 in Reisen

 

5 Jahre

IMG_1880

Da komme ich nach Hause, mit mieser Laune und irgendwie nicht gesellschaftsfähig, und als ich die Bibliothek im Westflügel betrete, bietet sich mir obiges Bild. Huhu und Wiesel haben es sich in seltener Eintracht in meinem Lieblingslesesessel bequem gemacht. Vor sich zwei Rollen der bunten Pillen, die so schöne bunte Bilder im Zuckerrausch machen. Aber beide sind ganz friedlich: Huhu liest dem Wiesel die Geschichte von Frederick vor, das Wiesel lauscht gebannt und sieht sich die Bilder an. Ein Bild für die Götter!

Die Geschichte von Frederick, der kleinen Maus, die sich den Sommer einprägt, und dann der anderen Feldmäusen damit den Winter erträglich macht, ist aber auch zu niedlich. Aber Moment mal.. das Buch besitze ich gar nicht. Und die bunten Pillen waren eigentlich auch alle… Woher kommt das?

Ein Blick ins Innere des Buches, das ich mir von Huhu unter dessen lautem Protest ausleihe, gibt Aufschluss. Nachdem die Widmung mich kurz verwirrt.

“Du bist unser Frederik”, steht da. Hä?!

Und weiter: “Zum Bloggeburtstag 2013 – von Kennny und Frau Kenny”

Ich. Bin. Baff.

DANKE, ihr beiden! Ihr seit die besten Mitautor-/innen die ich mir wünschen kann! Ich bin wirklich gerührt. Danke – sowohl für diese unfassbar großartige und liebe Geste als auch für die Erinnerung. Denn genauso wie in den Vorjahren hätte ich auch dieses Mal den Geburtstag wieder verpeilt. Und dabei lohnt sich das feiern – FÜNF JAHRE!! Vor fünf Jahren habe ich mit diesem Blog begonnen.

Damals, 2008, da war bloggen nicht neu, und als Mode schon wieder am zurückgehen. Mit etlichen anderen stieg ich quasi zeitgleich in das Bloggen ein, nachdem ich mich lange geziert hatte. Ich schrieb damals schon gerne, wollte ja auch eigentlich mal Journalist werden, aber zu groß waren die Bedenken vor dem Horror Vacui – was, wenn ich mit dem Blog anfangen und dann entweder an meinen eigenen Ansprüchen scheitern oder, schlimmer noch, wenn mir nach kurzer Zeit nichts mehr einfiele? Sanft bedrängt von der damaligen Freundin, die sich eines Abends hinsetzte und dieses Blog einrichtete, wagte ich schließlich den Einstieg in die Blogosphäre. Aber nicht allein. Ich nahm das Wiesel mit. Denn wenn mir nichts mehr einfallen würde, könnte immer noch das Wiesel Faxen machen.

Nun, die Sorge, dass es nichts mehr zu schreiben gäbe, war unbegründet. Mittlerweile gibt es hier 2172 Atrikel in 54 Kategorien, d.h. im Schnitt erscheint hier jeden Tag sogar mehr als ein Artikel. Dazu gibt es insgesamt rund 12.000 Kommentare. NochEinMarkus ist übrigens der fleissigste Kommentierer (DANKE!). An normalen Tagen wird das Blog im Schnitt 250 mal direkt aufgerufen – ganz ordentlich, da Feedreaderzugriffe da nicht mitzählen. An heftigen Tagen lesen hier auch schon mal zwischen 800 bis fast 2000 Leute mit.

Während das Blog hier also unaufhaltsam seinen Siegeszug als relevantestes Medium der Welt fortsetzt, gibt es viele der Blogs, die mit mir zusammen angefangen haben, schon lange nicht mehr. Einige, so wie Donkeys Welt, vermisse ich sehr. Aber so ist das nun Mal. Lebensumstände und Interessen ändern sich, und auch die Blogosphäre hat sich gewandelt. Blogs haftet heute der Nimbus des uncoolen und altbackenen an. Heute werden eher Dinge auf Facebook geteilt und sind damit nach drei Sekunden in der Timeline verloren, aus dem Sinn und nicht mehr recherchierbar. Aber ich will mich nicht beklagen. Auch bei mir hat sich in den letzten fünf Jahren vieles geändert. Eigentlich fast alles. Dieses Blog ist eine Konstante in meinem Leben. Die Ausrichtung der Gedanken ist mittlerweile eine andere. Das liegt zum einen daran, dass hier mittlerweile Menschen mitlesen, die mich persönlich kennen. Als ich gestartet bin, war ich hier komplett anonym und konnte sonstwas schreiben. Nun lesen hier Verwandte und Freunde, und tw. sogar Arbeitskollegen oder berufliche Bekannte mit. Keine Ahnung wie die in dieses Blog gekommen sind. Von MIR haben sie die Adresse nicht. Wie auch immer, ich muss ein wenig aufpassen. Deshalb sind die Gedanken hier nicht die Intimsten, aber den Quatsch mit Wiesel und Co, den nimmt mir niemand.

Der andere Grund, warum sich hier etliches geändert hat ist einfach die Zeit. Von Anfang bis Mitte dreissig ändert sich einfach nochmal viel im Leben, und so war das bei mir auch. Sicher, viele Dinge interessieren mich damals wie heute, aber einige Schwerpunkte haben sich verschoben. Die Rezension von Filmen, Spielen, Comics und Büchern überlasse ich in der Regel anderen. Owley ist da ein wunderbarer Ersatz, der schreibt meist genau DAS über Filme auf, was ich denke. Braver Ziehsohn :-)

So wie mein Leben intensiver und offener und ich neugieriger auf die Welt geworden bin, so sehr sind die Inhalte hier in Richtung des persönlichen Erlebens gewandert. Die Motorradreise 2012 war erst ein Anfang, hoffe ich. Auf jeden Fall würde es mir gefallen, in die Richtung weiter zu schreiben. In den nächsten fünf Jahren. Von mir aus auch die nächsten fünf Jahre mit Wiesel und Huhu.
In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag, kleines Blog.

IMG_1884

 
6 Kommentare

Geschrieben von - 3. Mai 2013 in Meta

 

Vier Wochen

Vollmond über den blühenden Kirschbäumen auf dem Campus der Uni Göttingen

Vollmond, grillende Studis und Kirschblüten auf dem Campus der Uni Göttingen

Es kommt der Moment vor einer Reise, ganz egal ob die kurz oder lang ist, an dem ich der Verzweifelung nahe bin. Ich habe über mögliche Ziele gelesen, habe im Internet recherchiert, Bilder angesehen, auf Youtube herumgestochert. Am Ende habe ich viel zusammenhangloses Zeug im Kopf, alle Orte einer Region scheinen sich zu ähneln und verschwimmen vor meinem inneren Auge zu einem merkwürdigen Brei, in dem nichts mehr wichtig ist und aus dem nichts mehr wirklich heraussticht. Was mich aktuell wirklich verzweifeln liess: Ich fand die Geschichten nicht. Geschichten machen historische Begebenheiten, Orte und Jahreszahlen für mich erst greifbar. Angenommen, ein Stadtführer erzählt mir von zig Leuten die alle Friedrich oder Wilhelm hießen und rasselt dabei Jahreszahlen runter – dann gehen die links rein und rechts wieder raus. Wenn Aber Anekdoten und Geschichten damit verbunden sind, DANN speichert mein Hirn das ab. Erst dadurch wird Geschichte für mich interessant: Durch Geschichten.

Bei der Vorbereitung auf DIE LANGE REISE habe ich nun ein halbes Dutzend Reiseführer, drei Bildbände, ein Dutzend Zeitschriften gelesen, Karten gewälzt und unzählige Wikipedia-Artikel studiert. Nichts. Keine interessante Geschichte lies sich blicken, stattdessen bewegte sich der Füllstand meines Hirns langsam auf “Übervoll”, aber mit unnützem Kram, einem Brei ohne Zusammenhalt.

Dann kam er vorgestern Abend plötzlich doch noch, endlich, der eine Hinweis, der sich nach genug Rumribbelei als roter Faden erwies. Der rote Faden verband plötzlich unterschiedlichste Elemente miteinander. Über geografische Grenzen und die Jahrhunderte hinweg machte er Dinge sichtbar und greifbar. Die Puzzlestücke fielen an Ihren Platz. Als ich den Faden sah, kamen sie, die Geschichten. Wie aus dem Nichts liessen sie sich plötzlich an jeder Ecke blicken. Plötzlich waren die Geschichten und Menschen da, und mit ihnen die Ziele, die Höhlenwege, der Garten der Monster oder das Naturphänomen mit Zeitschaltuhr.
Jetzt habe ich meine Geschichten, zumindest die, die Stationen auf der Reiseroute ausmachen. Andere Geschichten werde ich auf dem Weg finden – oder sie mich.

***

Technisch lässt sich gerade nicht viel machen. Das Motorrad bekommt in diesen Minuten (hoffentlich) neue Reifen, obwohl die Werkstatt unfähig und unwillig ist Termine zu machen. In zwei Werktagen kommt dann endlich der Werkstattcheck, die neuen Bremsen und -vor allem!- die Hauptuntersuchung. Endlich. Ich habe keinen Zweifel, dass das Motorrad – trotzdem es mittlerweile 10 Jahre alt ist – problemlos durchkommt. Die Maschine ist heute in einem besseren Zustand als an dem Tag, an dem sie das Werk in Japan verlasen hat. Aber NACH der HU kann ich endlich anfangen die neuen Teile anzubauen, die man normalerweise so nicht an einem Motorrad findet. Die sind zwar allesamt nicht eintragungspflichtig, aber trotzdem will ich nicht, dass der TÜV sich dafür zu sehr interessiert.

Und sonst so? Bin ich zu nichts gekommen. Immerhin an fünf der letzten sieben Tage Sport gemacht, wieder mit kleinen Steigerungen. Mittlerweile habe ich Schwielen an den Händen vom Rudern, ein Wirbel im Rücken tut weh und die Knie schmerzen. Sichere Zeichen, dass ich einen Gang zurückschalten soll. Dann mache ich das auch. Fitter werden gut und schön, aber kaputt muss ich mich nicht machen.

Zusammengefasst:
- Reiseplanung: Geschichten und Ziele gefunden!
- Sport: Ja, fast jeden Tag.
- Sprache: Ja, auch.
- Neuen Logger getestet
- Support und Backup inkl. Kurierdienst ist komplett
- Reifen abgeschmirgelt und aufgezogen
- SIM-Karten für´s Ausland besorgt bzw. reaktiviert

Das steht an:
- Die Hosts, die nicht über Booking gebucht sind, nochmal anschreiben und versichern, dass Reservierung steht.
- Hauptuntersuchung
- Inspektion
- Bremsenerneuerung
- Die neuen Teile anbauen
- Reifen einfahren

 
1 Kommentar

Geschrieben von - 3. Mai 2013 in Motorrad, Reisen

 
 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 32 Followern an